11.03.2026

Nigeria: US-Kommission warnt vor religiöser Gewaltkrise

Seit 2009 sind bereits 53.000 Menschen ermordet worden

Washington (IDEA) – „Nigeria befindet sich in einer erschreckenden Krise religiöser Gewalt.“ Zu diesem Schluss kommt der aktuelle Jahresbericht der US-Kommission für internationale Religionsfreiheit (USCIRF). Er wurde am 4. März vorgestellt. Die USCIRF-Vorsitzende Vicky Hartzler (Washington) erklärte, viele Menschen litten weiterhin unter schweren Verletzungen der Religionsfreiheit und Gewalt durch nichtstaatliche militante Gruppen. Davon seien sowohl christliche als auch muslimische Gemeinschaften betroffen. Die USCIRF stufte Nigeria 2009 erstmals als „besonders besorgniserregendes Land“ (Country of Particular Concern) ein. Seitdem seien 53.000 Zivilisten durch die herrschende Gewalt im Land ums Leben gekommen, davon 21.000 allein in den vergangenen fünf Jahren, heißt es im jüngsten Bericht. Millionen Menschen hätten ihre Häuser und Gemeinden verlassen müssen.

Vielfältige Auslöser für Gewalt

Auslöser für diese „Katastrophe“ seien verschiedene Faktoren: „Religiös motivierte extremistische Gewalt; lange ungelöste wirtschaftliche und ethnische Spannungen; korrupte Blasphemiegesetze auf Landesebene; und jahrelange unzureichende Reaktion sowie weit verbreitete Korruption in der nigerianischen Regierung.“ Die Folge sei „ein Klima der Angst“ sowie ungezügelte religiöse Angriffe, bei denen Schulkinder entführt und getötet würden. Laut Bericht ist die politische Lage in Nigeria von großen Sicherheitsproblemen und wirtschaftlichen Herausforderungen geprägt. Das Umfeld für Religionsfreiheit in Nigeria sei in Bezug auf seine gewalttätige und komplexe Konstellation aus religiösen, politischen, sozialen und wirtschaftlichen Faktoren einzigartig. Doch es sei repräsentativ für die alarmierende Hartnäckigkeit von Verletzungen der Religions- und Weltanschauungsfreiheit, unter denen Millionen von Menschen auf der ganzen Welt weiterhin leiden. Nigeria ist mit über 230 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Etwa jeweils 46 Prozent der Bevölkerung sind Christen oder Muslime. Auf dem Weltverfolgungsindex des überkonfessionellen Hilfswerks Open Doors belegt es Rang sieben der Länder, in denen Christen am stärksten verfolgt werden.

Handlungsempfehlungen für das US-Außenministerium

Als weitere Länder, in denen die Regierungen schwerwiegende Verletzungen der Religionsfreiheit begehen oder dulden, nennt der Bericht Afghanistan, Algerien, Aserbaidschan, Ägypten, China, Eritrea, Indien, Indonesien, Iran, Irak, Kasachstan, Katar, Kirgistan, Kuba, Libyen, Malaysia, Myanmar, Nicaragua, Nordkorea, Pakistan, Russland, Saudi Arabien, Syrien, Tadschikistan, Turkmenistan, Türkei und Usbekistan. Die Kommission veröffentlicht seit 2000 eine solche Liste und gibt dem US-Außenministerium Handlungsempfehlungen. Dazu gehört u. a., bei diplomatischen Kontakten verstärkt den Schutz der Religionsfreiheit einzufordern.