18.03.2026

Deutschland: Ramadan an Schulen - Konzentrationsprobleme und Gruppenzwang

Verbände schildern Probleme während des muslimischen Fastenmonats

Berlin (IDEA) – Während des muslimischen Fastenmonats Ramadan kommt es an deutschen Schulen immer wieder zu Konzentrationsproblemen bei fastenden Schülern sowie vereinzelt zu Fällen von Gruppenzwang unter Mitschülern. Das geht aus den Stellungnahmen mehrerer Lehrer- und Elternverbände auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA hervor. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (Berlin), Stefan Düll, bestätigte, dass Lehrkräfte mitunter Müdigkeit, Kreislaufprobleme und Konzentrationsschwierigkeiten bei fastenden Schülern beobachteten. Dies habe vor allem mit Schlafmangel und dem langen Verzicht auf Nahrung und Wasser zu tun. Besonders problematisch sei es, wenn der Ramadan in eine Jahreszeit mit kurzen Nächten falle. Das Fastenbrechen finde dann erst spätabends nach Sonnenuntergang statt, und die Schüler bekämen anschließend zu wenig Schlaf. In einzelnen Fällen könne es dann zu Leistungseinbußen kommen. Lehrkräfte und Schulen berichteten zudem von Einzelfällen, in denen muslimische Schüler sich von anderen unter Druck gesetzt fühlten, zu fasten, obwohl sie selbst das nicht wollten. Dass umgekehrt Nichtmuslime fastende Mitschüler hänselten, sei nicht auszuschließen, von einem Trend könne aber nicht gesprochen werden. Einen flächendeckenden Anstieg von Konflikten sehe er nicht, doch das Thema sei sichtbarer geworden. Düll zufolge bewältigen die allermeisten Schulen diese Herausforderungen „sehr gut und pragmatisch“. An dem von ihm geleiteten Justus-von-Liebig-Gymnasium (Neusäß bei Augsburg) beispielsweise hätten muslimische Schüler der Unterstufe ihre Mitschüler zu einem gemeinsamen Fastenbrechen eingeladen – mit großer Resonanz. In der Praxis sei es zwar nicht möglich, einen ganzen Monat auf Klassenarbeiten zu verzichten, aber man werde etwa in einer Klasse mit muslimischen Schülern eine Klassenfahrt nicht auf die letzten Tage des Ramadan oder das anschließende Zuckerfest legen.

Verband Bildung und Erziehung: Insbesondere Grundschüler betroffen

Der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE/Berlin), Tomi Neckov, berichtete, dass insbesondere Grundschüler in Fastenphasen „unkonzentrierter und erschöpft“ seien. Dies treffe aber auch auf ältere Schüler zu, etwa an langen Schultagen oder in Prüfungsphasen. Vereinzelt beobachte man jedoch Dynamiken innerhalb der muslimischen Schülerschaft, die auf die Frage abzielten, wer „der bessere Muslim“ sei. An dieser Stelle könne Druck auf einzelne Schüler ausgeübt werden. Außerdem komme es vereinzelt vor, dass muslimische Kinder wegen ihres Fastens verspottet oder ausgegrenzt würden. Dabei handle es sich um „eine Form von Diskriminierung, gegen die Schulen konsequent vorgehen“ müssten. Ob einzelne Vorfälle konkret zu- oder abgenommen hätten, lasse sich derzeit nicht verlässlich in Zahlen fassen. Der Verband nehme jedoch wahr, „dass Fragen rund um Religion, Identität und Zugehörigkeit im Schulalltag insgesamt sichtbarer“ geworden seien. Neckov forderte Fortbildungen für Lehrkräfte zum Umgang mit religiöser Vielfalt und Gruppenzwang, klare Regeln gegen jede Form von Zwang oder Mobbing sowie die Stärkung einer „demokratischen, respektvollen Schulkultur, in der religiöse Praxis weder erzwungen noch verspottet wird“.

Bundeselternrat: Keine eigenen Erkenntnisse zu Nötigung

Der Vorsitzende des Bundeselternrats (Berlin), Norman Heise, äußerte sich zurückhaltender. Es sei der falsche Ansatz, die Frage der Unkonzentriertheit isoliert zu betrachten: „Es allein auf das Fasten zu reduzieren, wäre aus unserer Sicht zu eindimensional.“ Die gleiche Frage stelle sich nämlich bei christlichen Schülern während der Fastenzeit. Ohne wissenschaftliche Begleitung lasse sich keine zuverlässige Aussage treffen. Zu Fällen von Nötigung oder Hänseleien im Zusammenhang mit dem Ramadan lägen dem Bundeselternrat keine Informationen vor. Heise verwies in diesem Zusammenhang auf eine Handreichung des Bezirksamtes von Berlin-Neukölln zum schulischen Umgang mit dem Ramadan. Darin wird auf mögliche Spannungen hingewiesen, wenn Kinder und Jugendliche fasten. Das Fasten liege im Rahmen der jeweiligen religiösen Auffassung in der Entscheidung jedes Einzelnen. Es gehe andere nichts an, ob jemand faste oder nicht. Niemand dürfe wegen dieser Praxis herabgewürdigt werden.

 

Verband muslimischer Lehrkräfte: Schüler passen sich nach wenigen Tagen an

Die Vorsitzende des Verbandes muslimischer Lehrkräfte (VML/Krefeld), Birgül Karaarslan, äußerte sich ebenfalls differenziert. Zu Beginn des Ramadan stelle die Umstellung für manche Schüler eine Herausforderung dar. Erfahrungsgemäß zeige sich jedoch ab dem vierten oder fünften Tag eine deutliche Anpassung, so dass das Fasten in der Regel keine negativen Auswirkungen mehr auf die Konzentration habe. Leistungsstarke Schüler blieben auch während der Fastenzeit konzentrierter. Bei jüngeren Schülern in den Klassen 5 und 6 komme es gelegentlich zu Kommentaren oder Nachfragen, ob jemand faste. Bei älteren Schülern sei ein solches Verhalten kaum zu beobachten. Provokatives Verhalten nichtmuslimischer Schüler gegenüber Fastenden komme nur selten vor. Einige nichtmuslimische Schüler verzichteten sogar als Zeichen des Respekts darauf, vor ihren fastenden Freunden zu essen oder zu trinken. Ob die Konflikte im Zusammenhang mit dem Ramadan insgesamt zu- oder abgenommen hätten, lasse sich nicht eindeutig feststellen. Den Anfragen in den letzten zwei bis drei Jahren zufolge lässt sich jedoch durchaus von einer Häufung sprechen, so Karaarslan. Muslimische Eltern trauten sich allerdings nicht immer, bei Benachteiligung oder Diskriminierungserfahrungen im Zusammenhang mit dem Fastenmonat an die Schule heranzutreten. Sie fürchteten eine Benachteiligung ihres Kindes.

„Arche“-Sprecher: Der politische Islam hat in Deutschland nichts verloren

Deutlich kritischer äußerte sich der Sprecher des christlichen Kinderhilfswerks „Die Arche“, Wolfgang Büscher (Berlin). Fastende Kinder seien „unkonzentriert und nicht lernfähig“, da Kinder keine kleinen Erwachsenen seien, sondern sich noch in der Entwicklung befänden. Fasten könne bei Kindern „katastrophale gesundheitliche“ Folgen haben. In diesem Zusammenhang gebe es auch Fälle von Gruppenzwang: Gerade Kinder mit muslimischem Hintergrund, die ihren Glauben nicht wirklich praktizierten, würden „oft gezwungen mitzumachen“. In Brennpunktschulen seien aufgrund der Unterbringung von Flüchtlingen bis zu 90 Prozent der Kinder vom „politischen Islam“ geprägt. Dort fühlten sich auch andere Kinder genötigt, „sich dem Islam unterzuordnen“. Diese Religion nehme insgesamt immer mehr Raum ein. Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien lebten ihren Glauben oft sehr aktiv und besuchten zusätzlich Koranschulen. Das unterscheide sie etwa von Kindern aus Familien mit türkischen Wurzeln, die ihren Glauben meist innerhalb der Familie lebten. Büscher forderte zu lernen, wieder „für unsere demokratischen, westlichen und christlichen Werte“ zu kämpfen. „Der politische Islam hat in Deutschland nichts verloren.“ In den Augen der mehrheitlich muslimischen Kinder „sind wir alle Ungläubige“. Sie lernten in den Koranschulen einen Hass auf alles Westliche. Das müsse auch ausgesprochen werden. „Sonst machen wir uns mitschuldig. Der eingewanderte Islam ist ein anderer als der, den wir schon seit Jahrzehnten kennen. Das sind zumindest die Erfahrungen, die ich sammeln musste.“ Ein Neben- und Miteinander sei möglich, „aber Scharia, Frauen- und Schwulenfeindlichkeit“ gehörten nicht nach Deutschland. Nach Schätzungen sind etwa 15 Prozent der Schüler in Deutschland Muslime.