22.03.2026
Russland: Zeugen Jehovas gefesselt und misshandelt
AKREF-A/22.03.26 - Am 3. Februar attackierten Beamte des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB mehrere Zeugen Jehovas bei Razzien in ihren Wohnungen in Dimitrovgrad in der Region Uljanowsk. Mindestens zwei von ihnen wurden gefoltert. Danach wurden vier Personen von den Ermittlungsbehörden wegen der Durchführung oder Teilnahme an „Aktivitäten einer verbotenen extremistischen Organisation“ angeklagt, weil sie sich weiterhin an Zusammenkünften ihrer Gemeinschaft beteiligt hatten.
Einer der maskierten Beamten schlug die 57-jährige Zhanna Popova nieder, als sie zeitig am Morgen die Türe öffnete und verletzte sie am Knie. Ein Beamter des FSB drückte ihren Mann Igor Popov auf den Boden, schlug ihn auf den Rücken und wollte ihn anscheinend zwingen, das Passwort seines Computers preiszugeben. Nach der Durchsuchung nahmen ihn die Beamten mit in die örtliche Zentrale des FSB, wo er mit Handschellen gefesselt, ausgezogen, geschlagen und wiederholt Elektroschocks ausgesetzt wurde. Ein Ermittlungsbeamter zwang ihn dann, eine vorbereitete Erklärung zu unterschreiben, mit der er sich selbst belastete, und sich bereit zu erklären, mit den Ermittlungsbehörden zu kooperieren.
Das Ehepaar Popov reichte Beschwerden bei der Staatsanwaltschaft und anderen staatlichen Stellen ein, haben jedoch bisher keine Antwort erhalten, so die Rechtsanwälte der Zeugen Jehovas.
Am selben Morgen kam es zu einer Razzia und Durchsuchung des Hauses von Igor Balaschov, die den ganzen Tag andauerte. Die Ermittlungsbeamten des FSB begannen erst etwa zu Mitternacht mit seiner Befragung, nachdem sie ihm ca. 20 Stunden lang Nahrung, Wasser und die Medikamente, die er wegen seiner chronischen Erkrankungen benötigt, verweigert hatten. „Dies führte dazu, dass sein Blutdruck während der Befragung in die Höhe schoss, eine Gesichtshälfte taub wurde und er zu zittern begann“, berichtete die European Association of Jehovah’s Witnesses, die die Interessen der Zeugen Jehovas in Europa vertritt.
Seit dem Verbot der Zeugen Jehovas durch den Obersten Gerichtshof der Russischen Föderation im Jahr 2017 kam es zur Strafverfolgung von fast 900 Zeugen Jehovas, weil sie sich weiterhin zum Gebet und Bibelstudium versammelt hatten. Die Gerichte verhängen immer wieder langjährige Kerkerstrafen. Am 13. März wurden Roman Makhnyov und Dmitry Kuzin zu jeweils 6 Jahren und 6 Monaten Freiheitsentzug verurteilt.
Quelle: Forum 18, Oslo (Bericht vom 20. März 2026)
Deutsche Fassung: Arbeitskreis Religionsfreiheit der EAÖ