30.03.2026
Indien: 747 Übergriffe auf Christen im Jahr 2025
Evangelische Allianz in Land sieht ein anhaltendes Muster der Feindseligkeit
Neu-Delhi (IDEA) – In Indien ist die Zahl der Übergriffe auf Christen erneut gestiegen. 2025 kam es zu 747 Fällen von Feindseligkeit, Einschüchterung, Gewalt und Diskriminierung gegen Christen. Das berichtet die Kommission für Religionsfreiheit der Evangelischen Allianz Indiens (EFIRLC) in ihrem Ende März veröffentlichten Jahresbericht. Für das Jahr 2024 dokumentierte der Dachverband noch 640 Zwischenfälle. Die meisten gewaltsamen Attacken gab es 2025 in den Bundesstaaten Uttar Pradesh (217), Chhattisgarh (177), Rajasthan (51), Madhya Pradesh (47) und Haryana (38). Bei den Übergriffen auf Christen handelt es sich laut dem Bericht um Bedrohungen und Belästigungen (204), Verhaftungen und falsche Beschuldigungen (184), körperliche Gewalt (112), Störungen von Gottesdiensten (110), soziale Ausgrenzung und Boykotte (42), gezielte Hasskampagnen (27), Vandalismus an Kirchengebäuden (25) und Brandstiftung (7), erzwungene Konversionen (27), geschlechtsspezifische Gewalt (8) und Mord (1).
Demonstrationen vor Gemeindehäusern
Laut dem Generalsekretär des Dachverbandes, Pastor Vijayesh Lal (Neu-Delhi), zeigen die Vorkommnisse „ein anhaltendes Muster von Feindseligkeit, das sowohl einzelne Gläubige als auch das Gemeindeleben in verschiedenen Regionen des Landes betrifft“. Die Übergriffe seien nicht auf einzelne Regionen beschränkt gewesen. „In vielen Fällen wurden Gebetsversammlungen oder Gottesdienste aufgrund von Beschwerden über angebliche unrechtmäßige Religionswechsel unterbrochen. Pastoren und Gemeindemitglieder wurden nach solchen Beschwerden mitunter von den Behörden festgenommen oder verhört“, so Lal. In anderen Fällen hätten sich Menschenmengen vor Gotteshäusern versammelt, Drohungen ausgesprochen oder die Auflösung der Versammlungen gefordert. Polizei und Behörden hätten auf die Vorfälle „unzureichend“ reagiert. Viele Übergriffe auf Christen seien „aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen, sozialem Druck oder mangelndem Zugang zu Rechtsmitteln ungemeldet“ geblieben. Lal kommt zu dem Fazit: „Die im Jahr 2025 dokumentierten Vorfälle geben Anlass zu anhaltender Besorgnis hinsichtlich des Schutzes der verfassungsmäßig garantierten Religionsfreiheit und der Gleichbehandlung vor dem Gesetz.“ Der Rechtsschutz für Christen müsse konsequenter durchgesetzt werden. Der Anstieg der Übergriffe auf Christen fällt in die Regierungszeit Narendra Modis. Er ist seit Mai 2014 Premierminister und Mitglied der Bharatiya Janata Party (BJP), einer hindu-nationalistischen Partei. Sie setzt sich für die Rückbekehrung zum Hinduismus ein, notfalls mit Gewalt. Von den etwa 1,4 Milliarden Einwohnern Indiens sind 72 Prozent Hindus, 14 Prozent Muslime und fünf Prozent Christen. Der Rest gehört kleineren Religionsgemeinschaften an. Im Weltverfolgungsindex des überkonfessionellen Hilfswerks Open Doors belegt Indien Platz 12 der Länder, in denen Christen am stärksten verfolgt werden.