04.05.2026
Algerien: Seit 2017 alle protestantischen Kirchen geschlossen
Christen im Untergrund: Sie feiern Gottesdienste in Privathäusern und im Freien
Algier/Straßburg (IDEA) – Die Behörden in Algerien haben seit 2017 alle protestantischen Kirchen geschlossen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht des Europäischen Zentrums für Recht und Gerechtigkeit (ECLJ) mit Sitz in Straßburg. Das Vorgehen der Behörden sei „mit internationalen Standards zur Religionsfreiheit unvereinbar“, heißt es in dem Bericht mit dem Titel „Die Unterdrückung der Christen in Algerien“. Dabei garantiere die Verfassung Algeriens seiner christlichen Minderheit Religionsfreiheit. Wörtlich heißt es dazu in dem Bericht: „Reaktionen europäischer und UN-Institutionen, die Algeriens Verstöße verurteilen, bleiben weitgehend symbolisch und unverbindlich.“ Von den 45,6 Millionen Einwohnern Algeriens sind 98 Prozent Muslime. Schätzungen zufolge leben rund 156.000 Christen im Land (0,3 Prozent der Bevölkerung). Die meisten sind Protestanten. Eine kleine katholische Minderheit besteht aus 8.000 Mitgliedern. Sie sind die einzige offiziell registrierte christliche Gemeinschaft im Land. Um 1950 lebten dort rund eine Million Christen, vor allem Katholiken. Die meisten von ihnen seien spätestens mit der Unabhängigkeit Algeriens 1962 nach Frankreich umgesiedelt.
Gottesdienste nur noch illegal möglich
Dem Bericht zufolge gilt seit 2012 ein neues Gesetz für die Ausübung nichtmuslimischer Religion. Kirchengebäude müssen genehmigt und religiöse Vereinigungen staatlich registriert werden. Doch diese Genehmigungen erteilten staatliche Stellen nicht. Die Folge sei, dass alle 58 protestantischen Kirchen geschlossen wurden, die der Protestantischen Kirche Algeriens (EPA) angehörten. Ihre Mitglieder könnten sich nun nur illegal in Privathäusern oder im Freien versammeln. Immer wieder würden Pastoren und Gläubige wegen ungenehmigter Gottesdienste strafrechtlich verfolgt. Laut Bericht wurden bei einer Polizeirazzia im April 2025 nach dem Karfreitagsgottesdienst zehn Christen neun Stunden lang festgehalten, verhört, fotografiert und ihre Handys beschlagnahmt. Dazu heißt es: „Obwohl keine größeren Anklagen erhoben wurden, verdeutlicht diese Festnahme den Druck, dem gewöhnliche Gläubige ausgesetzt sind.“
Pastor zu Haft verurteilt
Aufgeführt wird weiter der Fall von Pastor Youssef Ourahmane, dem EPA-Vizepräsident. Er hatte eine geistliche Veranstaltung in einem Gebäude organisiert, das zuvor von den Behörden geschlossen worden war. Dafür wurde er am 2. Mai 2024 von einem Berufungsgericht in Tizi Ouzou, rund 100 km östlich von Algier, zu einem Jahr Haft verurteilt, davon sechs Monate auf Bewährung. Zudem musste er eine Geldstrafe in Höhe von 100.000 Dinar (rund 645 Euro) bezahlen.
Zahl der Christen wächst vor allem in der Kabylei
Trotz der Einschränkungen sei die christliche Bevölkerung Algeriens in den letzten Jahrzehnten gewachsen, vor allem in der Kabylei – einer Region im Nordosten des Landes. Zahlen dazu nennt der Bericht nicht. Nach Angaben der algerischen Soziologin Hamida Azouani-Rekkas (Paris) ist der Anteil der Christen unter der Gesamtbevölkerung dort deutlich höher als im übrigen Land, nämlich zwischen einem und fünf Prozent. Die Lage der Christen in Algerien hat in den letzten Wochen nach dem historischen Papstbesuch international für Aufmerksamkeit gesorgt. Algerien war die erste Station des Papstes im Rahmen seiner Afrikareise vom 13. bis 23. April. Er hatte das christliche Erbe des Landes betont und sich für einen interreligiösen Dialog ausgesprochen.