08.05.2026

Deutschland: Konservative kritisieren kirchliche Kampagnen „gegen rechts“

Gemeinsame Erklärung fordert Rückbesinnung auf biblisch-theologische Maßstäbe

Walsrode (IDEA) – Theologisch konservative Christen in Deutschland sind zunehmend dem Vorwurf ausgesetzt, politisch „rechte“ Positionen zu vertreten. Dagegen wehren sich nun mehrere Vereine, Netzwerke und Gemeinschaften in einer gemeinsamen Erklärung mit dem Titel „,Rechte ChristInnen‘ oder (r)echter Glaube?“. Initiator ist der Gemeindehilfsbund (Walsrode). Zu den Erstunterzeichnern gehören unter anderen die Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“, das Netzwerk Bibel und Bekenntnis, die Kirchliche Sammlung um Bibel und Bekenntnis in der Nordkirche, die württembergische Pfarrerarbeitsgemeinschaft Confessio sowie die Initiative „ChristenStehenAuf“, zu der sich auch der frühere Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), zählt.

Vorwurf: Ausgrenzung konservativer Christen

Die Verfasser kritisieren, dass landeskirchliche Stellen konservative Christen moralisch und teilweise auch ökonomisch an den Rand drängten. Während die Landeskirchen besonders auf Ebene der Ortsgemeinden „schmerzhaft sparen“ müssten, gebe es „freie Kapazitäten an anderer Stelle“. So sei in den vergangenen rund zehn Jahren eine „kaum überblickbare Menge an Veröffentlichungen“ zum Thema „rechtes Christentum“ erschienen; neue Planstellen befassten sich mit entsprechenden Akteuren in den eigenen Reihen. Im „Kampf gegen rechts“ hätten die Landeskirchen „gewissermaßen ein Dach“ gefunden, unter dem sie sich öffentlichkeitswirksam zusammentäten, „nachdem die verbindende Kraft der eigenen Bekenntnisse geschwunden“ sei. Als Beispiel für die Diskriminierung theologisch konservativer Positionen durch Kirchenleitungen führt die Erklärung einen Vorgang aus der hannoverschen Landeskirche an: 2022 habe sie vom GRZ Krelingen (ehemals Geistliches Rüstzentrum Krelingen/Walsrode) verlangt, keine Räume mehr an den Gemeindehilfsbund zu vermieten. Andernfalls werde dem Leiter das Gehalt entzogen. Da sich die Einrichtung dieser Forderung nicht gebeugt habe, müsse sie die Leiterstelle nunmehr selbst finanzieren.

Die Kirche soll sich nicht an politischen Mehrheiten orientieren

Die Erklärung formuliert mehrere Grundsätze und Forderungen. Die Unterzeichner geben demnach keine Wahlempfehlungen ab, üben aber „klare Kritik an bestimmten politischen Entscheidungen – immer sachorientiert und aus den Geboten Gottes argumentierend“. Nur ein Staat, der die Gebote Gottes respektiere, kann aus Sicht der Unterzeichner erfolgreich sein. Zugleich betonten sie, die Kirche sei keine Nichtregierungsorganisation und dürfe ihre Agenda daher „nicht von politischen Mehrheiten bestimmen lassen“. Ihre Kernaufgabe bestehe nicht darin, „für Pluralismusverträglichkeit und Zusammenhalt in der säkularen Gesellschaft zu sorgen“. „Nicht ein Rechts-links-Schema, sondern ein von der Bibel und Kirchengeschichte geleitetes Fragen nach Gut und Böse ist charakteristisch für christliche Theologie und Ethik!“, heißt es. Bibeltreue Positionen dürften nicht länger „in eine rechte Ecke“ geschoben werden, „wo diese doch am weitesten von totalitären Ideologien entfernt sind“.

Mehrere Professoren und Geistliche unter den Erstunterzeichnern

Zu den Erstunterzeichnern gehören auch zahlreiche Einzelpersonen, darunter der Philosophieprofessor Daniel von Wachter (München), der Professor für Philosophie und Religionswissenschaft Harald Seubert (Basel), der Mathematikprofessor Matthias Reitzner (Osnabrück) sowie der frühere Vorsitzende der Pfarrergesamtvertretung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Martin Michaelis (Quedlinburg). Die Verfasser laden weitere Vereine, Verbände, Werke und Einzelpersonen zur Unterzeichnung ein.