12.05.2026
Spanien: Spanische Allianz - Medien zeichnen Zerrbild der Evangelikalen
Sie beklagt eine vereinfachende und oftmals abwertende Darstellung
Madrid (IDEA) – Die Spanische Evangelische Allianz (AEE) hat die Medien des Landes zu einer sachlichen und differenzierten Berichterstattung über evangelische Glaubensgemeinschaften aufgerufen. In einer am 8. Mai veröffentlichten Erklärung beklagt sie eine häufig vereinfachende, karikierende und pauschal abwertende Darstellung. Anlass der Stellungnahme seien die Berichterstattung über die evangelistische Großveranstaltung „The Change“ (Der Wandel) in Madrid mit über 35.000 Besuchern sowie eine Fernsehdokumentation zur neocharismatischen Bewegung in Katalonien. Mit Sorge nehme die AEE zudem die Tendenz wahr, das Wahlverhalten der Evangelikalen pauschal dem rechten oder rechtsextremen Lager zuzuordnen. AEE-Vorstandsmitglied Pedro Tarquis kritisierte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA, in vielen spanischen Medien würden evangelische Christen – insbesondere lateinamerikanische Zuwanderer – pauschal mit der neocharismatischen Bewegung, der Politik des US-Präsidenten Donald Trumps oder einer Rechtsaußenpolitik gleichgesetzt, ohne anerkannte Vertreter zu Wort kommen zu lassen. Bei einer Berichterstattung zur katholischen Kirche wäre das undenkbar, so Tarquis. Dort sei es völlig klar, dass es verschiedene Strömungen und Richtungen gebe, die sich stark unterschieden.
Unwissen und Vorurteile
Die Berichterstattung über Evangelikale offenbare dagegen ein großes Unwissen und bediene oftmals Vorurteile. Konservative Zeitungen wie „Diario ABC“ publizierten beispielsweise „ultrakatholische“ Meinungen. Darin werde von evangelikalen „Sekten“ gesprochen, die angeblich als Plattform für eine angelsächsische Vorherrschaft in Ländern dienten, die eigentlich katholisch seien. Eher linkspolitisch ausgerichtete Zeitungen brandmarkten dagegen jegliche Verteidigung eines traditionellen Familienbildes als fundamentalistisch und als Gefahr für die Demokratie.
Integrationsmotor statt Hindernis
Auch im Hinblick auf die Integration lateinamerikanischer Flüchtlinge stellten Medien evangelikale Gemeinden oft eher als Hindernis denn als Motor der Integration dar. Tatsächlich sei jedoch häufig das Gegenteil der Fall, so Tarquis. Die Migranten besuchten oft Gemeinden „spanischer Prägung“, die dann eine „Brücke der Integration“ seien. In ihrer Stellungnahme schreibt die AEE, die Gemeinden böten Flüchtlingen einen Ort der Zugehörigkeit und emotionale Unterstützung. Sie ermöglichten es ihnen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Von den rund 49 Millionen Einwohnern Spaniens sind laut einer offiziellen Umfrage aus dem vergangenen Jahr 54,2 Prozent Katholiken, 34,1 Prozent nichtreligiös, 2,3 Prozent Muslime und 1,1 Prozent Protestanten. Ein Prozent gehört orthodoxen Kirchen an. 2,5 Prozent zählen zu anderen christlichen Glaubensgemeinschaften. Die Spanische Evangelische Allianz ist mit ihrer fast 150-jährigen Geschichte die älteste evangelische Vereinigung des Landes. Nach eigenen Angaben repräsentiert sie mit ihren theologisch konservativen Positionen und Erklärungen etwa 90 Prozent der evangelischen Christen des Landes.