19.05.2026
Nordirland: Pastor wegen Predigt nahe Abtreibungsklinik verurteilt
Der Baptist gilt damit als vorbestraft, weil er Johannes 3,16 zitiert hat
Coleraine (IDEA) – Ein pensionierter baptistischer Pastor aus Nordirland ist wegen einer Predigt in der Nähe eines Krankenhauses verurteilt worden, das Abtreibungen vornimmt. Der ehemalige Präsident der Vereinigung der Baptistengemeinden in Irland, Clive Johnston (78), wurde vom Amtsgericht Coleraine wegen Verstoßes gegen das Abtreibungsdienste-Gesetz von 2023 für schuldig befunden. Er hatte 2025 vor dem nahe der Stadt gelegenen Causeway-Krankenhaus innerhalb einer sogenannten Schutzzone gepredigt und dabei Johannes 3,16 zitiert: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Das berichtet das „Christian Institute“ mit Sitz in Newcastle upon Tyne (Nordostengland), das Johnston im Prozess unterstützt. Der Pastor muss demnach eine Geldstrafe von umgerechnet rund 500 Euro zahlen und hat nun einen Eintrag im Strafregister.
„Wir haben mit keinem Wort auf Abtreibung Bezug genommen“
Das 2023 im Vereinigten Königreich in Kraft getretene Gesetz verbietet abtreibungskritische Demonstrationen und bestimmte weitere Aktivitäten innerhalb festgelegter Schutzzonen rund um Abtreibungseinrichtungen. Der Pastor sprach von einem „schwarzen Tag“ für die christliche Freiheit. „Wir haben in der Nähe eines Krankenhauses einen kleinen Sonntagsgottesdienst unter freiem Himmel gefeiert. Wir haben mit keinem Wort auf das Thema Abtreibung Bezug genommen.“ Doch das Gesetz über die Schutzzonen sei so weit gefasst, dass selbst das als Straftat eingestuft worden sei. Mit 78 Jahren werde er zum ersten Mal in seinem Leben wegen einer Straftat verurteilt. Wer Unruhe stifte, zu Gewalt aufrufe oder Menschen belästige, dürfe selbstverständlich strafrechtlich verfolgt werden, so Johnston. Aber genau das habe er nicht getan, „wie das Polizeivideo zeigt und wie alle am Verfahren Beteiligten anerkennen“. Der Direktor des „Christian Institute“, Ciarán Kelly, erklärte, das ohnehin umstrittene Gesetz werde nun „selektiv angewandt“, um die Verkündigung des Evangeliums zu kriminalisieren. Sollte das Urteil Bestand haben, bedeute dies „eine erschreckende neue Einschränkung der Religions- und Meinungsfreiheit“. Man werde Johnston bei der Prüfung von Rechtsmitteln unterstützen.
Liberalisierung des Abtreibungsrechts gegen den Willen der Einheimischen
Wie das US-amerikanische „Standing for Freedom Center“ (Lynchburg/Bundesstaat Virginia) berichtete, gehörte Nordirland lange Zeit zu den Regionen Westeuropas mit den strengsten Abtreibungsgesetzen. Vorgeburtliche Kindstötungen waren nur in eng begrenzten Ausnahmefällen erlaubt, etwa bei ernsthafter Gefahr für Leben oder Gesundheit der Mutter. 2019 beschloss das Parlament des Vereinigten Königreichs in London – zu einem Zeitpunkt, als die nordirische Regionalregierung nicht arbeitsfähig war – eine weitreichende Liberalisierung. Die Abgeordneten aus England, Schottland und Wales stimmten dafür, die Vertreter Nordirlands lehnten geschlossen ab. Inzwischen sind Abtreibungen in Nordirland bis einen Tag vor Beginn der 12. Schwangerschaftswoche ohne weitere Voraussetzungen zulässig, danach unter bestimmten Bedingungen bis einen Tag vor der 24. Woche und bei schweren fötalen Anomalien ohne zeitliche Begrenzung. Während im Berichtszeitraum 2019/20 in nordirischen Krankenhäusern 22 Abtreibungen registriert wurden, waren es 2024/25 nach offiziellen Angaben bereits 2.893.