30.05.2026
China: Behörden reißen protestantische Hauskirche ab
Die Verfolgung von Christen durch die chinesischen Behörden hat sich noch einmal verschärft
(IDEA) In der südostchinesischen Stadt Wenzhou (Provinz Zhejiang) haben die Behörden eine protestantische Hauskirche abgerissen. Das berichtet die Menschenrechtsorganisation „ChinaAid“ (Texas/USA) unter Berufung auf lokale Quellen. Es handele sich um die lokal bekannte Yazhong-Kirche (auch Yayang-Kirche genannt).
Am 19. Mai hätten demnach schwere Baufahrzeuge das mehrstöckige Gebäude zerstört. Im Vorfeld sei das Gebiet rund um die Kirche abgeriegelt und das Kreuz mit einem schwarzen Tuch verhüllt worden. Der Abriss sei nur wenige Tage nach dem Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem chinesichen Staatspräsidenten Xi Jinping in Peking erfolgt, bei dem auch über Religionsfreiheit und inhaftierte Geistliche gesprochen wurde.
Auslöser für den Vorfall war nach Angaben von Gemeindemitgliedern eine behördliche Anweisung im Sommer 2025, die chinesische Nationalflagge im Inneren des Gottesdienstraums anzubringen und einen Fahnenmast auf dem Kirchengelände zu errichten. Laut ChinaAid verweigerten die Gläubigen dies. Kurz darauf seien Regierungsvertreter gewaltsam auf das Kirchengelände eingedrungen, hätten Teile der Außenmauer niedergerissen und einen Fahnenmast errichtet.
Im folgenden Dezember hätten Beamte bei einer Razzia 103 Kirchenmitglieder verhaftet und die Kontrolle über das Gebäude übernommen. Die Familien der Festgenommenen erhielten Berichten zufolge offizielle Warnungen mit der Anweisung, Stillschweigen zu bewahren.
Abriss Teil einer umfassenderen Kampagne
Nach Ansicht des Präsidenten von ChinaAid, Bob Fu, stellt der Abriss der Yazhong-Kirche eine Eskalation einer umfassenderen Unterdrückungskampagne in der Region dar. Mit den jüngsten Maßnahmen habe sich die Verfolgung von Christen durch die chinesischen Behörden verschärft. „Sie ist zunehmend institutionalisiert und gezielter geworden.“
Die Kampagne gegen die dortigen Christen umfasse eine lückenlose Überwachung, strenge Informationskontrollen sowie die Schließung von Unternehmen, die mit mutmaßlichen Kirchenmitgliedern in Verbindung gebracht wurden. Lediglich Kirchen, die der staatlich kontrollierten „Drei-Selbst-Bewegung“ angeschlossen sind, würden offiziell geduldet. Die Yazhong-Kirche ist hingegen staatlich nicht registriert und damit, wie andere Hauskirchen, besonderer Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt.
Die Yazhong-Kirche ist Teil der Bewegung der „Ortsgemeinden“ – auch „Kleine-Herde-Bewegung“ genannt –, die auf den chinesischen Prediger Watchman Nee (1903–1972) zurückgeht. Aufgrund ihrer großen christlichen Bevölkerung wird die Region rund um Wenzhou auch als „Chinas Jerusalem“ bezeichnet. In der rund 1,4 Milliarden Einwohner zählenden Volksrepublik leben nach Schätzungen bis zu 130 Millionen Christen.