31.05.2026
Kirgistan: Inhaftierter Pastor ausgewiesen
(IDEA) Der 66-jährige Adventistenpastor Pavel Shreider ist aus Kirgisistan nach Russland abschoben worden. Das berichtete die norwegische Menschenrechtsorganisation „Forum 18“ am 27. Mai. Ihren Angaben zufolge brachten Geheimpolizisten des kirgisischen Nationalen Sicherheitskomitees ihn am 9. April zur Landesgrenze und verhängten ein Wiedereinreiseverbot. Am 10. Juli 2025 war Shreider zu drei Jahren Haft wegen „Aufstachelung zu rassistischer, ethnischer, nationaler, religiöser oder regionaler Feindseligkeit“ verurteilt worden.
Die eingelegte Berufung wies ein Gericht am 25. Oktober 2025 zurück. Am 25. März 2026 wandelte der Oberste Gerichtshof in Bischkek die Reststrafe in eine Geldstrafe in Höhe von drei Monatsgehältern um. Noch am selben Tag wurde er freigelassen.
Reformadventisten verboten
Shreider leitete die mittlerweile landesweit verbotene Gemeinschaft der „Wahren und Freien Reformadventisten“ im überwiegend muslimischen Kirgistan. Er wurde zwar dort geboren, besitzt jedoch einen russischen Reisepass. Derzeit bemühe er sich andernorts um Asyl, so „Forum 18“.
Einen Grund für die Ausweisung habe die Geheimpolizei der Organisation gegenüber nicht geliefert und auch auf weitere Nachfragen nicht reagiert. Shreiders Ehefrau Nelya, gegen die keine Abschiebung angeordnet wurde, habe sich jedoch dazu entschieden, das Land am selben Tag zu verlassen.
Extremismus-Vorwurf „absurd“
Im November 2024 war Shreider in Bischkek festgenommen worden. Beamte durchsuchten daraufhin seine Wohnung sowie die von etwa zehn weiteren Gemeindemitgliedern. Sie beschlagnahmten unter anderem Bibeln, Bargeld und Mobiltelefone. Am 19. März 2025 stufte das Bezirksgericht Alamudin in der Region Tschüi die „Wahren und Freien Reformadventisten“ als „extremistische“ religiöse Organisation ein und verbot sie.
In einer 20-minütigen Anhörung am 4. August 2025 wies der Oberste Gerichtshof in Bischkek die Berufung der Freikirche gegen dieses Verbot zurück. Indira Aslanova, leitende Expertin des Zentrums für Religionsstudien – einer unabhängigen Organisation mit Sitz in Bischkek –, bezeichnete den Vorwurf des „Extremismus“ gegen die Gemeinschaft als „absurd“.
Mitbegründer der Bewegung war 25 Jahre in Haft
Die Kirche der „Wahren und Freien Reformadventisten“ entstand während der Sowjetzeit. Sie lehnt eine Registrierung durch den Staat und den Militärdienst strikt ab. Mitbegründer war 1929 Wladimir Shelkov (1895–1980), der 25 Jahre seines Lebens in sowjetischen Gefängnissen verbrachte und während der Haft in Sibirien starb.
Der Menschenrechtler Andrej Sacharow (1921–1989) zählte ihn zu den „größten christlichen Humanisten unseres Jahrhunderts“. Von den rund sieben Millionen Einwohnern Kirgistans sind 87 Prozent Muslime, vier Prozent Christen und sieben Prozent Nichtreligiöse.