13.02.2014
Südkorea: WEA vertagt Generalversammlung
New York/Seoul (idea) – Die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) muss ihre Generalversammlung auf unbestimmte Zeit vertagen. Die alle sechs Jahre stattfindende Konferenz der Dachorganisation von etwa 600 Millionen Evangelikalen in 129 Ländern sollte vom 19. bis 25. Oktober in Seoul (Südkorea) abgehalten werden. Doch wie WEA-Generalsekretär Geoff Tunnicliffe (New York) jetzt mitteilt, haben Spaltungen unter den Evangelikalen Südkoreas die Verschiebung erforderlich gemacht. Vor vier Jahren hatte der Internationale Rat der WEA beschlossen, die Generalversammlung 2014 in Seoul durchzuführen. Man habe damit die Hoffnung verbunden, die Einheit unter den dortigen Evangelikalen zu fördern. Eine breit angelegte Gruppe koreanischer Kirchen und Gemeindeverbände unter Leitung des Christlichen Rats Koreas habe die Planung in Angriff genommen. Doch habe man feststellen müssen, dass es unmöglich sei, die Generalversammlung zum jetzigen Zeitpunkt durchzuführen.
Vorwürfe der Irrlehre gegen Pfingstprediger
Über die Art der Spaltungen unter den rund 300 verschiedenen protestantischen Kirchen und Gemeindebünden in Südkorea macht die WEA keine Angaben. Doch die Internetzeitung Christian Telegraph veröffentlichte im vergangenen Jahr mehrere Artikel, in denen von Differenzen die Rede ist. So soll es schwere Vorwürfe der Irrlehre gegen mehrere Prediger und Leiter von Großgemeinden gegeben haben, etwa die Pfingstpastoren Jaerock Lee von der Manmin-Gemeinde und Paul Yonggi Cho von der Yoido-Gemeinde des Vollen Evangeliums. Angeblich hätten „Sektenwächter“ aus den Reihen der Presbyterianischen Kirche solche Anschuldigungen erhoben. Es ist auch von angeblichen finanziellen Forderungen die Rede, mit denen man sich vom Vorwurf der Häresie freikaufen könne. Der Christliche Rat Koreas habe die Beschuldigten entlastet.
Misstrauen gegenüber Ökumene
Einigen Beobachtern zufolge steht im Hintergrund auch eine ökumene-feindliche Haltung einiger extrem konservativ-evangelikaler Gruppierungen. Sie nehmen Anstoß an einer Annäherung zwischen der Evangelischen Allianz und dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK). Am Rande der ÖRK-Vollversammlung, die vom 30. Oktober bis 8. November vorigen Jahres in der Hafenstadt Busan stattfand, kam es zu Massenprotesten. Mindestens 5.000 Demonstranten warfen dem Weltkirchenrat unter anderem Religionsvermischung vor. Auf Spruchbändern bezeichneten sie den religiösen Pluralismus als „Abfall“ vom christlichen Glauben. Von den rund 50 Millionen Einwohnern Südkoreas sind etwa 31 Prozent Christen. Die meisten – 23,8 Prozent der Bevölkerung – sind Evangelikale. Mehr als 30 Prozent der Südkoreaner gehören keiner Religion an, 23,7 Prozent sind Buddhisten und sieben Prozent Anhänger von Stammesreligionen. Hinzu kommen kleine Gruppen anderer Religionen.