Zentralasien

Länderinformation

Fünf ehemalige Sowjet-Republiken mit starker muslimischer Bevölkerung 

Was fällt darunter? Etwa die fünf Länder Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan. Die ehemaligen Teilrepubliken der Sowjetunion erlangten am 8. Dezember 1991 ihre Unabhängigkeit. Neben all den wirtschaftlichen und politischen Veränderungen, die dieser Umbruch mit sich brachte, veränderte sich auch die religiöse Landschaft. Die große Mehrheit der in der Sowjet-Zeit eingewanderten Christen (Russen und Ukrainer) wanderte wieder aus. Die Zahl der Christen verringerte sich dadurch drastisch.   

Umkehrt nahm der Anteil der Muslime (hauptsächlich Sunniten) leicht zu. Schon immer stellten sie die Mehrheit: Im Jahr 2026 gehören 78,3 % der Bevölkerung in Kasachstan dem Islam an, 90,1 % in Kirgisistan und jeweils über 95 % in Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan. 

Hingegen machen die Christen in Kasachstan 17,3 % der Bevölkerung aus, in Kirgistan 3 %, in Tadschikistan 0,5 %, in Turkmenistan 1,4 % und in Usbekistan 1,1 %. Dabei gehören die Christen einerseits den traditionellen Kirchen an, wie etwa der russisch-orthodoxen Kirche und der armenisch-apostolischen Kirche, aber auch protestantischen Freikirchen (Evangelikale, Baptisten und pfingstlerische Gruppen). 

Interessant ist zudem, dass in allen Ländern (ausgenommen Kasachstan) der Anteil jener Menschen, die sich als Atheisten oder Agnostiker bezeichnen, höher ist als jener der Christen (Kirgistan: 5,9 %, Tadschikistan 1,3 %, Turkmenistan 3, 1 %, Usbekistan 3,5 %, aber Kasachstan 3,3 %). 70 Jahre sowjetischer Atheismus dürfte also nicht spurlos an den Menschen vorübergegangen sein.  

Säkulare Regierungen 

Dies zeigt sich auch daran, dass die Regierungen der Länder trotz der muslimischen Mehrheit strikt säkular sind. Leider wirkt sich dies aber nicht positiv auf die Religionsfreiheit aus. Im Gegenteil: sie wird immer mehr eingeschränkt. Die inzwischen immer autoritärer auftretenden Regierungen leiden unter diktatorischer Paranoia und verbieten religiöse Aktivitäten außerhalb der staatlichen und staatlich kontrollierten Institutionen.  

So verlangt etwa das neue Religionsgesetz in Kirgistan (2025), dass mindestens 500 Mitglieder für die Registrierung einer Gemeinde vorhanden sein müssen. Eine kaum zu erfüllende Voraussetzung vor allem für die kleine protestantischen Gemeinden. Zumal Anträge von der staatlichen Kommission für Religionsangelegenheiten einfach willkürlich abgelehnt werden können. Selbst bereits zugelassene Gruppen müssen sich nach 10 Jahren wieder erneut registrieren. In diesem Gesetz wird außerdem noch untersagt, in der Öffentlichkeit oder von Haus zu Haus den Glauben weiterzugeben. Bei Verstößen drohen harte Strafen.  

Das ist den anderen vier Ländern nicht viel anders:  In Usbekistan wird Evangelisation mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft. Ein Gesetz in Tadschikistan untersagt jegliche religiöse Arbeit mit Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren, was sich enorm auf die kirchlichen Aktivitäten auswirkt, da ca. 50 Prozent aller Christen unter diese Altersgruppe fallen. 

Grundsätzlich gilt: Christen müssen äußerst vorsichtig vorgehen. Polizei und Geheimdienste überwachen ständig ihre Aktivitäten. Für ausländische Christen ist es sehr schwierig, ein Visum zu erhalten.  

Wem geht es am schlimmsten? 

Am schwersten ist es für christlichen Konvertiten muslimischer Herkunft. Zusätzlich zur staatlichen Repression erfahren sie Druck durch die Familie und das soziale Umfeld. Für die gesamte Region Zentralasiens gilt, dass Konvertiten muslimischer Herkunft in ihrer Religionsfreiheit durch den Staat am stärksten eingeschränkt werden. Hinzukommt die Verfolgung von ihren Familien und Gemeinschaften, insbesondere wenn sie in ländlichen Gebieten leben. Diese üben Druck und körperliche Gewalt gegen sie aus, um sie wieder sie zur Rückkehr zum Islam zu zwingen. Einige christliche Konvertiten müssen mit Hausarrest oder Ausschluss aus ihren Dorfgemeinschaften rechnen. Deshalb versuchen viele, ihren Glauben geheim zu halten. 

An zweiter Stelle stehen Christen aus protestantischen Freikirchen. Diese werden sowohl von Mitgliedern ihres sozialen Umfelds als auch den staatlichen Behörden überwacht und schikaniert. Sie erleiden Drohungen, Diskriminierung, Einschränkungen und Geldstrafen. Die Übergriffe reichen bis hin zu staatlich organisierten Razzien, die in der Regel auf Betreiben lokaler muslimischer Informanten durchgeführt werden. Grund dafür ist schlicht, die Beschuldigung, dass sie das Evangelium weitersagen. 

Nach dem Weltverfolgungsindex 2026 von Open Doors sind deshalb alle Länder in der Kategorie, wo das Ausmaß der Verfolgung „sehr hoch“ eingestuft wird. Kasachstan befindet sich auf Platz 45 (2025: 38), Kirgistan auf Platz 40 (2025: 47), Tadschikistan auf Platz 27 (2025: 39), Usbekistan auf Platz 25 (2025: 25) und Turkmenistan auf Platz 35 (2025: 29).  

Und trotzdem wächst die Gemeinde Jesu Christi seit den frühen 2000er-Jahren. Schätzungen zufolge gibt es in den fünf Staaten ca. 320.000 freikirchliche protestantisch Gläubige mit muslimischem Hintergrund. Demgegenüber stehen 322.700 traditionell freikirchlich protestantische Gläubige, in deren Kirchen aber die Konvertiten gut Fuß gefasst haben.  

Friedrich Rössler, AKREF Österreich 

Wir beten,

  • dass die protestantischen Freikirchen weiterwachsen und die Konvertiten muslimischen Hintergrunds gut integriert werden.

  • dass die Konvertiten, nicht aufgeben, sich an Jesus zu halten.

  • dass die Gegner durch das Zeugnis der Christen zum Glauben an Jesus kommen.

  • dass die Pforten der Hölle die Gemeinde Jesu nicht überwinden.