20.02.2014

Syrien: Freilassung entführter Christen gefordert

Genf (idea) – Vertreter der syrischen Opposition haben die Freilassung entführter Christen gefordert. Bei einem Besuch der Zentrale der Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Genf verurteilte die Gruppe muslimischer Repräsentanten die Verschleppung von orthodoxen Nonnen aus dem Thekla-Kloster im Wallfahrtsort Maalula im Dezember und von zwei orthodoxen Bischöfen im April vorigen Jahres. Der Sprecher der fünf Delegationsmitglieder, Scheich Mohammed Abdel-Hady al Yaaqubi forderte „alle Islamisten auf, all jene unverzüglich freizulassen, die zu Unrecht und gegen ihren Willen festgehalten werden, insbesondere die unschuldigen Bischöfe, Nonnen und Mönche“. Entführungen widerspiegelten nicht die Werte des Islam, sagte der Scheich von Journalisten. Seit zehn Monaten werden der syrisch-orthodoxe Erzbischof von Aleppo, Mor Gregorios Yohanna Ibrahim, und der griechisch-orthodoxe Erzbischof von Aleppo und Iskenderun, Boulos Yazigi, vermisst. Ihr Wagen war von einer bewaffneten Gruppe gestoppt worden. Der Fahrer wurde ermordet, während die Erzbischöfe unversehrt geblieben sein sollen. Am 2. Dezember hatten radikal-islamische Rebellen den Wallfahrtsort Maalula erobert und Nonnen aus dem orthodoxen Thekla-Kloster verschleppt.

Leiden der Bevölkerung sofort beenden

Die Vertreter von Oppositionsgruppen im syrischen Bürgerkrieg trafen mit ÖRK-Generalsekretär Olav Fykse Tveit aus Anlass der sogenannten „Genf 2“-Friedensgespräche zur Beendigung des Konflikts zusammen. Sie hatten eine Botschaft des ÖRK erhalten, in der der Weltkirchenrat ein sofortiges Ende aller Kampfhandlungen in Syrien fordert. Es müsse sichergestellt werden, dass alle gefährdeten Gruppen in Syrien und die Flüchtlinge in den Nachbarstaaten humanitäre Unterstützung erhalten. Der ÖRK fordert außerdem einen umfassenden Prozess, um einen gerechten Frieden zu schaffen und die syrische Gesellschaft wieder aufzubauen. Im Mittelpunkt der Gespräche müsse das sofortige Ende des Leidens der syrischen Bevölkerung stehen, betonte Tveit bei der Begegnung mit den Oppositionsvertretern. Nach Schätzungen sind im Bürgerkrieg in zweieinhalb Jahren weit mehr als 100.000 Menschen umgekommen. Von den 21 Millionen Einwohnern des Landes waren vor dem Bürgerkrieg 90 Prozent Muslime und 6,3 Prozent Christen, davon jeweils drei Prozent Katholiken und Orthodoxe plus kleine Gruppen von Protestanten. Die übrige Bevölkerung bestand aus Nichtreligiösen oder Anhängern anderer Religionen. Die Christen genossen unter dem Regime von Präsident Baschar al-Assad relative Glaubensfreiheit; von den Aufständischen werden sie als seine Verbündeten verfolgt. Die 349 evangelischen, orthodoxen und anglikanischen Mitgliedskirchen des ÖRK haben etwa 560 Millionen Mitglieder.