11.09.2009

Südkorea will Mission in islamischer Welt einschränken

Aus Angst vor Terroranschlägen erwägt die südkoreanische Regierung, die Mission in islamischen Ländern einzudämmen

Südkorea will Mission in islamischer Welt einschränken

Aus Angst vor Terroranschlägen erwägt die südkoreanische Regierung, die Mission in islamischen Ländern einzudämmen

Seoul (idea) - 12. September 2009  – Wegen einer wachsenden Gefahr von Terroranschlägen auf Südkoreaner erwägt die Regierung in Seoul, die Missionstätigkeit ihrer Bürger im islamisch geprägten Mittleren Osten einzudämmen. Kritiker sehen diese Maßnahme als Beschneidung der Menschenrechte, insbesondere der Religions- und Reisefreiheit.

Nach südkoreanischem Recht kann die Regierung Auslandsreisen von Bürgern einschränken, wenn beispielsweise gegen sie strafrechtlich ermittelt wird oder wenn sie nationale Interessen oder die öffentliche Sicherheit gefährden könnten. Die Regierung ist besorgt, dass die Missionstätigkeit die Terrorgefahr auch für Touristen und Geschäftsleute erhöht. In den vergangenen zwei Monaten sind Presseberichten zufolge mehr als 80 Südkoreaner aus dem Iran, Jordanien, Jemen und anderen islamischen Ländern ausgewiesen worden. Im Juni war eine Südkoreanerin im Jemen zusammen mit zwei deutschen Bibelschülerinnen und einer fünfköpfigen Familie aus Sachsen entführt worden. Die Koreanerin und die Bibelschülerinnen wurden erschossen aufgefunden; von der Familie fehlt weiter jede Spur. Von den 49 Millionen Einwohnern Südkoreas sind nach Angaben des nationalen Statistikamts 13,7 Millionen Christen (28 Prozent). Davon sind 8,6 Millionen Protestanten und 5,1 Millionen Katholiken.

Südkoreaner sind missionarisch engagiert

Die koreanischen Christen zählen zu den missionarisch engagiertesten der Welt. Etwa 19.000 sind im Ausland aktiv, die zweithöchste Missionarszahl eines Landes nach den USA. Schon vor zwei Jahren wurde eine Diskussion um die Einschränkung der Missionstätigkeit von Südkoreanern geführt. Am 19. Juli 2007 hatten die radikal-islamischen Taliban in Afghanistan 23 ehrenamtliche Mitarbeiter einer südkoreanischen Kirchengemeinde verschleppt. Sie wollten in einem von den Christen mitfinanzierten Krankenhaus Aufbauhilfe leisten. Die Taliban forderten für die Geiseln die Freilassung inhaftierter Gesinnungsgenossen. Darauf ließ sich die Regierung in Kabul jedoch nicht ein. Zur Untermauerung ihrer Forderungen erschossen die Taliban zwei männliche Geiseln. Zwei kranke Frauen wurden vorzeitig freigelassen. Die übrigen 19 Christen kamen nach 40 Tagen in Folge von Verhandlungen mit den Taliban frei. Im Gegenzug versprach die Regierung in Seoul, 210 Soldaten der ISAF-Friedenstruppe abzuziehen und dafür zu sorgen, dass alle Missionstätigkeiten in Afghanistan eingestellt würden.

EKD-Kirchenamtspräsident: Recht auf Mission

Der Präsident des EKD-Kirchenamts, Hermann Barth (Hannover), kritisierte damals dieses Zugeständnis, der Regierung in Seoul. In einem idea-Kommentar schrieb er, das Recht auf Mission sei durch internationale Menschenrechtsabkommen geschützt und daher nicht verhandelbar. Auch gegenüber Ländern mit einer anderen Kultur und Tradition dürften die menschenrechtlichen Standards nicht ermäßigt werden. Eine andere Frage sei, ob Afghanistan, wo heute der Schutz vor rechtloser Gewalt nicht einmal mit Soldaten gewährleistet werden könne, der richtige und sinnvolle Ort für missionarische Aktivitäten sei.