14.09.2009

Nordkorea: EKD-Delegation konstatiert - „Gott mehr gehorchen als den Menschen“

Erster Besuch in kommunistischem Land - Wunsch nach freier Religionsausübung

Nordkorea: EKD-Delegation konstatiert - „Gott mehr gehorchen als den Menschen“

Erster Besuch in kommunistischem Land - Wunsch nach freier Religionsausübung

Pjöngjang (idea) – 14. September 2009 - Der Wunsch nach Überwindung der Teilung Koreas und nach freiem christlichen Leben im ganzen Land bildete einen Schwerpunkt beim ersten Besuch einer EKD-Delegation im kommunistisch regierten Norden.

Die siebenköpfige Gruppe unter Leitung des Ratsvorsitzenden, Bischof Wolfgang Huber (Berlin), traf zu Beginn des Aufenthalts vom 11. bis 15. September in Pjöngjang mit dem Vorsitzenden der staatlich anerkannten Koreanischen Christlichen Föderation, Kang Yong Sop, zusammen. Dieser bedankte sich für die „Zusammenarbeit und Solidarität“ der EKD im Versöhnungsprozess zwischen den Christen in beiden Teilen Koreas. Entscheidende Impulse seien von mehreren Treffen koreanischer Christen bei Konferenzen in Deutschland ausgegangen. Huber erinnerte an den Berliner Mauerfall vor 20 Jahren. Das deutsche Volk habe ein besonderes Interesse an der Zukunft Koreas, da es selbst lange geteilt gewesen sei. Deshalb könne man der „Tragödie“ der Teilung Koreas seit mehr als 50 Jahren und dem Schicksal der Millionen gewaltsam getrennten Familien nicht gleichgültig gegenüberstehen. Mit aller Kraft setze er sich für eine Welt ein, in der niemand Angst vor Krieg haben müsse, sagte Huber. „Als Christen rufen wir die Regierungen und Politiker in aller Welt auf, ernsthaft den Weg zu bereiten, damit Frieden, Einheit, Wohlstand und Freiheit auch für die koreanische Halbinsel erreicht werden können.“ Dazu gehöre es, dass freies christliches Leben in ganz Korea möglich werde.

Nur Gott fürchten und sonst niemanden

In einer Ansprache nach einem Gottesdienst am 13. September in der Bongsu-Kirche in Pjöngjang bezeichnete Huber die Reise der EKD-Delegation in beide Teile Koreas als Versuch, „besser zu verstehen, wie wir als Christen dazu beitragen können, dass auch hier in Korea alle Menschen im Norden und im Süden ohne trennende Grenze und in Frieden leben können.“ Huber gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass auch in Korea die Menschen „nur Gott und sonst niemanden“ zu fürchten brauchten. Der Ratsvorsitzende zitierte dazu das Bibelwort „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apostelgeschichte 5,29). Vom 15. bis 21. September besucht die EKD-Delegation Südkorea.

Nordkorea: Stärkste Christenverfolgung

Im Blick auf das christliche Leben stehen die beiden Teile Koreas in starkem Kontrast. Während das Christentum im Süden wächst und gedeiht, gilt der Norden als das Land mit der stärksten Christenverfolgung weltweit. Zwar herrscht in dem von Diktator Kim Jong-Il regierten Staat offiziell Religionsfreiheit, aber bis zu 70.000 Christen werden dem Hilfswerk Open Doors zufolge in über 30 Arbeits- und Straflagern gefangen gehalten. Kim lasse sich als Götzen verehren. Wer Gott anbete, müsse mit schweren Konsequenzen rechnen wie Folter, Inhaftierung oder Hinrichtung. Von den 23,6 Millionen Einwohnern Nordkoreas sind offiziellen Angaben zufolge etwa 12.000 Christen, die zu vier staatlich anerkannten Kirchengemeinden gehören.  

Rasch wachsende Kirchen im Süden

Anders die Situation im Süden: Von den 49 Millionen Einwohnern sind nach Angaben des nationalen Statistikamts 13,7 Millionen Christen (28 Prozent). Davon sind 8,6 Millionen Protestanten und 5,1 Millionen Katholiken. Christliche Schätzungen gehen von einem Bevölkerungsanteil von 35 Prozent aus. Besonders stark wachsen die Pfingstkirchen, denen etwa elf Prozent der Bevölkerung angehören. Darunter sind die zehn größten Megagemeinden der Welt, an der Spitze die rund 800.000 Mitglieder zählende Yoido-Gemeinde in Seoul. Die südkoreanischen Christen zählen zu den missionarisch engagiertesten der Welt. Etwa 19.000 sind im Ausland aktiv, die zweithöchste Missionarszahl eines Landes nach den USA.