22.01.2019

Pakistan: Christ von Blasphemievorwürfen freigesprochen

Pervaiz Masih war Gefangener des Monats Oktober 2015 Familie leidet seit 2015 unter Drohungen und Übergriffen durch Islamisten.

Der Christ Pervaiz Masih und seine Frau

Lahore (idea) – In Pakistan hat ein Gericht den wegen angeblicher Beleidigung des Propheten Mohammed angeklagten Christen Pervaiz Masih am 15. Januar von allen Vorwürfen freigesprochen. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM/Frankfurt am Main) und die Evangelische Nachrichtenagentur idea hatten den Christen als „Gefangenen des Monats Oktober 2015“ benannt und aufgerufen, für ihn zu beten und Briefe mit der Bitte um seine Freilassung an den damaligen pakistanischen Staatspräsidenten Mamnoon Hussain zu senden. Pervaiz Masih ist Ziegelei-Arbeiter und hatte 2015 für einen Hausbau den Zuschlag erhalten, Sand zu liefern. Mehrere Konkurrenten stritten mit ihm um diesen Auftrag. Sie erstatteten gegen ihn Anzeige wegen Verstoßes gegen das Blasphemiegesetz. Masih wurde am 2. September 2015 verhaftet und am 7. Oktober auf Kaution freigelassen. Das Verfahren gegen ihn lief jedoch weiter. Nach Angaben des Nahost-Referenten der IGFM, Max Klingberg, waren der Christ und seine Frau Zarina danach gezwungen, versteckt zu leben. Immer wieder habe es Drohungen und Übergriffe durch Islamisten gegeben, sagte er idea.

Eine Tochter wurde von Extremisten ermordet

Eine der Töchter sei von den Extremisten ermordet worden: Sie warfen die Dreijährige in einen Brunnen. Bei einem Verhör hätten Polizisten Zarina gefoltert und ihr dabei unter anderem schwere Knochenbrüche zugefügt. Bis heute könne sie als Folge dessen weder aufrecht stehen noch gehen. Nach Einschätzung von Menschenrechtsorganisationen wird das Blasphemiegesetz in Pakistan immer wieder dazu missbraucht, gegen Angehörige religiöser Minderheiten vorzugehen. Klingberg begrüßt den Freispruch Masihs zwar, sieht aber keine grundsätzliche Trendwende in Pakistans Politik: „Ein Wille, Christen und andere Minderheiten wirksam zu schützen und ihnen gleiche Rechte zu geben, ist nach wie vor nicht erkennbar.“ Der Druck, den Islamisten auf sie ausübten, sei nach wie vor unerträglich – und oft tödlich. Wegen vermeintlicher Gotteslästerung sitzen laut IGFM über 1.000 Menschen unter Androhung der Todesstrafe in pakistanischen Gefängnissen; davon seien rund 200 Christen. Von den rund 200 Millionen Einwohnern Pakistans sind etwa 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen sowie zwei Prozent Hindus.