15.09.2023

Libyen: Christen helfen trotz Verfolgung

Open Doors: Ausmaß der Gewalt gegen Christen ist „extrem hoch“

Tripolis/Darna (IDEA) – Nach der verheerenden Flutkatastrophe in Libyen helfen Christen den Opfern trotz extrem schwieriger Bedingungen. Das berichtet die Internetplattform „Premier Christian News“ unter Berufung auf den libyschen koptischen Priester Crimson Jabakumar. Bei Überschwemmungen im Osten des Landes, die am 10. September durch einen schweren Tropensturm ausgelöst wurden, kamen Tausende Menschen ums Leben. Allein in der Hafenstadt Darna werden nach Angaben des Auswärtigen Amtes bis zu 20.000 Todesopfer befürchtet. Jabakumar, der sich zur Zeit in Ägypten aufhält, sagte gegenüber Premier Christian News, seine Freunde und Kollegen in der betroffenen Region beschrieben die Situation als dramatisch. Die Menschen seien „gebrochen und traurig“. Die christlichen Gemeinden im Land organisierten Hilfe für die Betroffenen. Es sei schwer, die Opfer zu erreichen, weil die konkurrierenden Milizen in dem Land an den Straßen viele Kontrollposten errichtet hätten. „Aber sie finden Wege, die Menschen zu erreichen und ihnen zu helfen.“

Ex-Muslime in großer Gefahr

In Libyen sind Christen starker Verfolgung ausgesetzt, erklärte der Sprecher der christlichen Hilfsorganisation „Open Doors“, Ado Greve (Kelkheim bei Frankfurt am Main), gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA. Das Ausmaß der Gewalt gegen sie sei „extrem hoch“. Vor allem einheimische Christen, die vom Islam zum Christentum konvertiert sind, lebten in großer Gefahr. Sie würden nicht selten wegen Blasphemie-Beschuldigungen verhaftet und inhaftiert, weil sie etwa im Internet christliche Materialien weitergegeben hätten. Sie würden von ihren Familien und Sicherheitskräften psychisch und physisch unter Druck gesetzt, zum Islam zurückzukehren. „Es wird davon ausgegangen, dass alle Libyer Muslime sind.“ Durch den jahrelangen Bürgerkrieg seien Minderheiten wie die Christen zusätzlich ins Fadenkreuz der Konfliktparteien geraten. Durch das Fehlen einer Regierung, die Recht und Ordnung im Land durchsetzen könne, sei ihre Lage besonders schwierig. Von den rund sieben Millionen Einwohnern des Landes sind etwa 35.400 (0,5 Prozent) Christen. Die meisten davon sind Gastarbeiter und Flüchtlinge, etwa aus Ägypten und Ländern der Subsahara-Region. Libyen belegt im Weltverfolgungsindex von Open Doors Platz fünf der Staaten, die Christen am stärksten verfolgen.