02.09.2026
Deutschland: Christliche Bekenntnisschule in Niedersachsen darf nach zwölf Jahren öffnen
Streit um Konzept: Behörde sah zu einseitige christliche Ausrichtung
Molbergen (IDEA) – Nach zwölfjähriger Auseinandersetzung mit den Behörden hat die Freie Christliche Bekenntnisschule Molbergen (bei Cloppenburg) den Schulbetrieb aufgenommen. In der ersten Klasse lernen 24 Kinder. Das teilte der Generalsekretär des Verbands Evangelischer Bekenntnisschulen und Kitas (VEBS), Professor Wolfgang Stock (Karlsruhe), der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA mit. Trägerin ist eine Elterninitiative, die von der Freien Evangeliums Christengemeinde Cloppenburg (FECG) unterstützt wird. Wie Stock ausführte, war der Initiative in Cloppenburg zunächst die Baugenehmigung verweigert worden. Nach einem Wechsel in den Nachbarort Molbergen versagte die Schulbehörde trotz fertiggestellten Gebäudes auch die Betriebsgenehmigung – nach Darstellung von Stock wegen des klar christlichen pädagogischen Konzepts. Die Eltern zogen daraufhin vor das Verwaltungsgericht Oldenburg. Ein Gerichtssprecher bestätigte auf IDEA-Anfrage, dass eine Klage auf Erteilung einer Schulgenehmigung anhängig gewesen sei. Nach einer Einigung zwischen Schule und Behörde sei das Verfahren am 4. August 2026 ohne Urteil eingestellt worden.
Zu starke Fokussierung auf christliche Inhalte?
Wie sehr sich die Schulbehörde an der christlichen Ausrichtung stieß, zeigt laut Stock ein Ablehnungsschreiben des Regionalen Landesamtes Osnabrück vom 16. Juli 2024. Der Trägerverein hatte seine pädagogische Konzeption zuvor überarbeitet und im März 2024 erneut vorgelegt. Nach dem Niedersächsischen Schulgesetz soll die Schule die Persönlichkeit der Schüler auf Grundlage des Christentums, des europäischen Humanismus und der Ideen liberaler, demokratischer und sozialer Freiheitsbewegungen weiterentwickeln. Diese drei Bereiche stünden laut Behörde grundsätzlich gleichberechtigt nebeneinander. Aus Sicht des Landesamtes erfüllte die überarbeitete Konzeption diese Vorgaben nicht. Sie nehme keine Anpassungen im Sinne einer Abkehr von der „zu einseitigen Ausrichtung der Erziehungsarbeit“ vor. Vielmehr werde der Charakter der Schule „noch stärker fokussiert“ – durch ergänzte Vorworte zu den Arbeitsplänen unter der Überschrift „Biblisches Leitbild“ sowie eine ergänzte Spalte „Biblische Integration“ im Arbeitsplan für den Sachunterricht. Stock betonte gegenüber IDEA, das Konzept sei „normal“ gewesen, keineswegs übertrieben oder extrem. Es baue auf Konzepten dreier bereits genehmigter Bekenntnisschulen in anderen Bundesländern auf. Eine vergleichbare Ablehnung habe man in den vergangenen Jahrzehnten in keinem anderen Bundesland erlebt. Die Genehmigung sei schließlich durch ein neues Konzept mit stärkerem Schwerpunkt auf dem Humanismus erreicht worden. Sie erlaube jedoch nur den Start einer Regelklasse, weshalb vielen Familien habe abgesagt werden müssen.
Schulbehörde: Mängel im Laufe des Verfahrens beseitigt
Ein Sprecher der Regionalen Landesämter für Schule und Bildung bestätigte gegenüber IDEA, dass ein erster Antrag bereits 2015 gestellt worden sei. Das Landesamt habe jedoch nie abschließend entschieden, weil Unterlagen gefehlt hätten – unter anderem der Nachweis geeigneter Schulräume. Ein erneuter Antrag für Molbergen sei im Frühjahr 2023 gefolgt und im Sommer 2025 abgelehnt worden. Zwar habe damals bereits ein geeignetes Gebäude bereitgestanden, die Ablehnung sei jedoch aus anderen Gründen erfolgt, die mit dem Trägerverein ausführlich besprochen worden seien. Erst nach Behebung der Mängel und einem neuen Antrag im Februar 2026 sei die Genehmigung erteilt worden. Da die Schule einzügig geplant sei, werde es pro Jahrgang nur eine Klasse geben.
Vier weitere Schulen in anderen Bundesländern eröffnet
Stock berichtete zudem von vier weiteren Schulen, die problemlos genehmigt worden seien: In Fulda konnte die bestehende Georg-Müller-Schule mit 14 Schülern eine zusätzliche Realschule eröffnen, in Genthin (Sachsen-Anhalt) hat die Freie Christliche Grundschule mit vier Schülern den Unterricht aufgenommen. In Baden-Württemberg eröffnen im September die Entdeckerschule in Lauffen am Neckar (bei Heilbronn) und die Paula-Gassner-Grundschule in Stuttgart. Zum VEBS gehören inzwischen 182 Schulen und 63 Kindertagesstätten an 145 Standorten in Deutschland. Dort arbeiten mehr als 6.600 Mitarbeiter für 44.000 Schüler und Kitakinder.