02.09.2026
Nigeria: Höchstmaß an christenfeindlicher Gewalt
Wenn es um Christenverfolgung geht, wird über kein anderes Land derzeit so viel diskutiert wie über Nigeria.
(IDEA) Auch die Bundesregierung hat jüngst ihre Einschätzung zur Lage der Christen in dem afrikanischen Land veröffentlicht. Dazu nimmt der Leiter des überkonfessionellen Hilfswerks Open Doors, Markus Rode, Stellung.
Am 24. August hat die Bundesregierung anlässlich einer kleinen Anfrage der AfD eine Stellungnahme zur Situation der Christen in Nigeria veröffentlicht, unter anderem anhand von Informationen von Open Doors. Darin geht es neben der Frage, ob in Nigeria ein Völkermord an Christen stattfindet, auch darum, dass Nigeria eines der gefährlichsten Länder weltweit für Christen ist. Laut der offiziellen Antwort ist „eine solche Einstufung Nigerias durch eine internationale Organisation im Sinne der Fragestellung der Bundesregierung nicht bekannt.“ Dazu muss man wissen: Internationale Organisationen im völkerrechtlichen Sinn entstehen durch Zusammenschlüsse von Staaten, also etwa die UNO, die WTO oder ähnliche Institutionen. Als Nichtregierungsorganisation (NGO) fällt Open Doors in eine andere Kategorie. Die Anfrage ist in jedem Fall ein willkommener Anlass, den Blick auf die weiterhin dramatische Situation vieler Christen in Nigeria zu richten.
Die Situation im Land
Als Hilfswerk ist Open Doors seit vielen Jahren auch in Nigeria tätig, um den dortigen Christen angesichts jahrelanger Verfolgung und einem Höchstmaß an christenfeindlicher Gewalt beizustehen. Aktuell sind in dem Land vier Millionen Menschen auf der Flucht vor Gewalt – überwiegend Christen. Die kleine Anfrage der AfD gibt die von Open Doors ermittelten Zahlen korrekt wieder: 3.490 Christen wurden innerhalb eines Jahres getötet, mehr als in allen anderen Ländern der Welt zusammen. Aktuelle Zahlen weisen darauf hin, dass Morde und Entführungen wieder zunehmen. Dies belegt unter anderem eine im Juli 2026 veröffentlichte Sechsjahresstudie der Beobachtungsstelle für Religionsfreiheit in Afrika (ORFA). Sie verdeutlicht unter anderem, dass Christen in Nigeria systematisch im Visier extremistischer Gruppen stehen.
„Völkermord“ an Christen?
Die Frage, ob angesichts der extremen Gewalt von einem Genozid an Christen gesprochen werden kann, war bereits im vergangenen Jahr zu Recht Gegenstand öffentlicher Diskussionen (unter anderem aufgrund von Aussagen des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump). Es spricht vieles dafür, dass Boko Haram, ISWAP und militante Fulani-Extremisten international geächtete Verbrechen begangen haben, sei es Völkermord, ethno-religiöse Säuberung oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Regierungen sollten dies weiter untersuchen, ohne dabei zu zögern, den Millionen von Gewalt und Vertreibung betroffenen Christen den dringend benötigten Schutz und Nothilfe zukommen zu lassen.
Erhalten Christen ausreichend Schutz & Hilfe?
Seit der öffentlichen Debatte im vergangenen Jahr und dem verstärkten Druck der USA hat die nigerianische Regierung einige Maßnahmen zum besseren Schutz der Bevölkerung vor Gewaltakten ergriffen. Dennoch reißt die Serie tödlicher Überfälle und Entführungen nicht ab. Erst am 18. August wurden im Verwaltungsbezirk Mangu 25 Christen bei einem nächtlichen Überfall getötet. Tage zuvor konnten die Angreifer an anderen Orten zurückgedrängt werden. Im zu 99 Prozent von Christen bewohnten Mangu waren bereits im Jahr 2023 Hunderte Menschen getötet worden. Es besteht also weiterhin dringender Handlungsbedarf — vonseiten der zuständigen Behörden, aber auch von westlichen Regierungen mehr Druck auf die Regierung in Nigeria auszuüben. Open Doors begegnet der Gewalt und Vertreibung der Christen in Nigeria und weiteren betroffenen Ländern in Subshara-Afrika mit der internationalen Kampagne „Arise Africa“.