04.08.2026
Spanien: Ceuta-Krise - Antisemitische Erzählungen gingen millionenfach viral
Islamistische, rechts- und linksextreme Accounts verbreiteten Schuldzuweisungen
Ceuta (IDEA) – Die Grenzkrise in der spanischen Stadt Ceuta ist auf der Plattform X (früher Twitter) innerhalb von 72 Stunden zu einer globalen antisemitischen Verschwörungserzählung umgedeutet worden. Das geht aus einer Untersuchung des „Antisemitism Research Center“ (ARC) hervor, das zur Initiative „Combat Antisemitism Movement“ (CAM) mit Sitz in Moundridge (US-Bundesstaat Kansas) gehört. Die Organisation setzt sich weltweit gegen Judenfeindschaft ein. Am 30. und 31. Juli drangen Zehntausende Migranten illegal von Marokko aus im nordafrikanischen Ceuta ein. ARC analysierte nach eigenen Angaben 173 reichweitenstarke Beiträge, die in den 72 Stunden nach der Grenzüberquerung veröffentlicht wurden und von 119 Influencer-Accounts stammten. Zusammen erzielten sie laut ARC innerhalb von zwei Tagen 57,5 Millionen Aufrufe, hatten eine geschätzte Reichweite von 103,1 Millionen Menschen sowie 1,9 Millionen Likes und 368.400 geteilte Inhalte. Beispielsweise zeigte ein Account namens „Forbidden HQ“, dessen Beitrag 5,3 Millionen Mal angesehen wurde, der Analyse zufolge den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, aus dessen geöffnetem Mund eine Reihe von Migranten auf einen spanischen Strand strömte. Eine Antwort unter dem Beitrag bezeichnete die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla fälschlicherweise als marokkanisches Staatsgebiet. „Forbidden HQ“ habe anschließend auf seinen eigenen zitierten Beitrag reagiert und Marokko zu einem Marionettenstaat Israels erklärt.
Ideologische Grenzen spielen bei dem Thema keine Rolle
Die Auswertung zeigt nach Angaben der Organisation, wie schnell sich judenfeindliche Deutungsmuster in Sozialen Medien verbreiten und an aktuelle politische Ereignisse angedockt werden. Jede ideologische Grenze sei dabei überwunden worden: Rechtsextreme Accounts, die die Erzählung vom „Großen Austausch“ verbreiten, linksradikale antiimperialistische Accounts sowie radikal-islamistische Accounts hätten nahezu identische Behauptungen veröffentlicht: „Sie alle kamen zu dem Schluss, dass Zionisten die Krise verursacht hätten.“ Antisemitismus sei dabei das verbindende Element zwischen Zielgruppen, die ansonsten keinerlei gemeinsame politische Schnittmenge hätten. Der Empfehlungsalgorithmus von X habe diese Überschneidung offenbar als ein Signal für hohe Interaktion gewertet und die Verbreitung der Inhalte entsprechend verstärkt.