04.08.2026
Syrien-Irak: 12 Jahre nach dem Genozid an den Jesiden dauert die Krise an
IIRF-D/IGFM - Tübingen/Frankfurt am Main, 3.8.2026 – Zwölf Jahre nach dem Völkermord an den Jesiden durch die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) weist die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) darauf hin, dass die humanitäre Krise weiterhin anhält. Obwohl die Herrschaft des IS beendet ist, gelten noch immer Tausende Jesiden als vermisst oder befinden sich in Gefangenschaft. Mehr als 200.000 Binnenvertriebene leben nach wie vor unter schwierigen Bedingungen in Flüchtlingslagern der Autonomen Region Kurdistan.
Viele zerstörte Dörfer wurden bislang nicht wieder aufgebaut. Unsichere Sicherheitsverhältnisse, fehlende Arbeitsplätze und der Rückzug internationaler Hilfsprogramme erschweren eine Rückkehr in die Heimat. Besonders junge Menschen sehen sich häufig gezwungen, zwischen Auswanderung und einem Leben ohne Perspektive zu wählen.
Die IGFM setzt ihre Hilfsprojekte in der Region fort und konzentriert sich zunehmend auf nachhaltige Unterstützung. Dazu gehören medizinische Hilfe, Versorgung besonders bedürftiger Familien sowie Bildungsförderung für junge Jesidinnen und Jesiden.
Ein Beispiel hierfür ist die Jesidin Subaz Ali, die nach der Flucht vor dem IS mit ihrer Familie viele Jahre in einem Flüchtlingslager lebte. Dank eines Studienförderprogramms der IGFM konnte sie ihr Medizinstudium abschließen und arbeitet heute als Ärztin in Kurdistan. Nach Angaben der IGFM soll ihr Beispiel zeigen, dass gezielte Bildungsförderung langfristige Perspektiven schaffen und zum Wiederaufbau der Region beitragen kann.
Zusätzlich verweist die Organisation auf die verschärfte Lage in Syrien nach dem politischen Umbruch Ende 2024. Insbesondere religiöse Minderheiten wie Jesiden und Christen seien neuen Fluchtbewegungen, rechtlicher Unsicherheit und einer Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen ausgesetzt. Zugleich erschwere der Mangel an medizinischer Versorgung die Behandlung chronisch kranker Menschen, weshalb die IGFM finanzielle Soforthilfen für Medikamente bereitstellt.
Die Menschenrechtsorganisation betont, dass Erinnerung an den Genozid allein nicht ausreiche. Notwendig seien langfristige Hilfsmaßnahmen, um den Betroffenen eine Zukunftsperspektive zu eröffnen und den Wiederaufbau ihrer Gemeinschaften zu unterstützen.
Quelle: Rundmail der IGfM vom 3.8.2026