04.11.2026

Äthiopien: Zwischen Äthiopien und Eritrea herrscht nun Krieg

auch wenn er nicht erklärt wurde


Addis Abeba (Fides) – Der interne Konflikt in Äthiopien hat sich mittlerweile zu einem nicht erklärten Krieg zwischen dem Land und Eritrea entwickelt.
Die Kämpfe konzentrieren sich auf Tigray, wo entlang der Frontlinie Egela-Tsorona gewaltsame direkte Zusammenstöße zwischen äthiopischen und eritreischen Streitkräften ausgebrochen sind. Die Auseinandersetzungen begannen am 30. Oktober, als äthiopische Drohnen und Artillerie eritreische Stellungen in der Nähe des Dorfes Qolo-Berdo bombardierten, und dauerten den ganzen Tag des 31. Oktober an.
Am Morgen des Sonntags, dem 1. November, lieferten sich Infanterieeinheiten beider Armeen Nahkämpfe am Boden.
Gleichzeitig behaupten die Kräfte aus Tigray, den äthiopischen Regierungstruppen bei den Zusammenstößen zwischen Ahferom und Bizet schwere Verluste zugefügt zu haben.

Addis Abeba wirft der Armee von Asmara vor, zur Unterstützung der tigrayischen Kräfte der Tigray People’s Liberation Front (TPLF) in äthiopisches Gebiet eingedrungen zu sein. Dies stellt eine Umkehrung der Bündnisse dar: Während des Krieges von 2020, in dem die äthiopische Armee (Ethiopian National Defense Forces, ENDF) gegen die TPLF kämpfte, standen die eritreischen Streitkräfte an der Seite der äthiopischen Truppen gegen die tigrayischen Kräfte, die heute hingegen Verbündete Asmaras sind (siehe Fides 14.10.2026).
Der Einsatz der eritreischen Armee soll auf den 7. Oktober zurückgehen, als ihre Truppen die Grenze bei Zelambesa überquerten und sich in Richtung der Achse Adigrat–Idaga Hamus bewegten. Die äthiopische Regierung beschuldigt Ägypten, den Sudan und andere Mächte – ohne diese jedoch namentlich zu nennen –, hinter dem eritreischen Einsatz zu stehen.

Kairo hat einen langjährigen Streit mit Addis Abeba wegen des Großen Äthiopischen Wiederauferstehungs-Staudamms (GERD; siehe Fides 4.9.2025). Der Sudan hingegen wirft Äthiopien vor, auf seinem Territorium Stützpunkte für Drohnen zu beherbergen, die von Milizionären der „Rapid Support Forces“ (RSF) eingesetzt werden, die Angriffe gegen den Sudan verüben (siehe Fides 5.5.2026). Khartum hat beim Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine formelle Beschwerde eingereicht, in der es geltend macht, dass seit Februar 187 Angriffsdrohnen von äthiopischem Gebiet aus gegen sudanesische zivile Infrastrukturen und Kraftwerke gestartet worden seien.
Die TPLF hat sich der „Allianz der äthiopischen Volkskräfte für das Überleben“ (Ethiopian Peoples’ Forces Alliance for Survival, kurz Alliance for Survival – ASF) angeschlossen, deren Ziel es ist, die Bundesregierung zu stürzen und eine Übergangsregierung zu bilden (siehe Fides 23.9.2026). Dem Bündnis gehören Gruppierungen aus verschiedenen Regionen des Landes an: von Tigray im Norden über die Fano-Milizen der Amhara bis hin zur Oromo-Befreiungsarmee und anderen bewaffneten Gruppen.

Der Bürgerkrieg beschränkt sich somit nicht auf Tigray. In Wuchale und Ambassel im Regionalstaat Amhara kam es zu heftigen Kämpfen zwischen den Soldaten der ENDF und ihren ehemaligen Verbündeten der Fano-Milizen.
Der Bürgerkrieg weist zudem eine Dimension der Auseinandersetzung zwischen Regionen auf. Seit dem 18. Oktober dauern Kämpfe zwischen den Streitkräften der Regionalstaaten Somalia und Oromia an, die sich auf die Stadt Moyale an der Grenze zu Kenia konzentrieren. Letzteres Land hat über 50.000 Äthiopier aufgenommen, die vor den Kämpfen geflohen sind.
Unterdessen hat die russische Regierung angeboten, zwischen Eritrea und Äthiopien zu vermitteln, obwohl sie kürzlich die Luftwaffe von Addis Abeba durch die Lieferung von 12 Su-35-Jagdbombern verstärkt hat.

Moskau hat sich zudem bereit erklärt, vier S-400-Flugabwehr- und Raketenabwehrbatterien zu liefern. Dabei handelt es sich um hochentwickelte Systeme, die vor allem für den Einsatz gegen reguläre Armeen konzipiert und für einen irregulären Konflikt weniger geeignet sind. 

(L.M.) (Fides 3/11/2026)