05.11.2026

China: Christlicher Aktivist Joshua Wong zu zehn Jahren Haft verurteilt

Gericht sieht „Zusammenarbeit mit ausländischen Kräften“ als erwiesen an

Hongkong (IDEA) – Der christliche Demokratieaktivist Joshua Wong ist in Hongkong zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 30-Jährige gegen das von Peking 2020 erlassene nationale Sicherheitsgesetz verstoßen und mit „ausländischen Kräften“ zur Gefährdung der nationalen Sicherheit zusammengearbeitet habe. Das Urteil wurde am 5. November am High Court der chinesischen Sonderverwaltungszone verkündet. Richter William Tam erklärte in seiner Urteilsbegründung: „Die Strafe muss der Schwere des Verbrechens entsprechen.“ Zudem sei es nötig, dass das Gericht den „Abscheu der Gemeinschaft“ gegenüber dem Vorgehen des Angeklagten zum Ausdruck bringe. Dem Aktivisten hatte in dem Verfahren eine lebenslange Haftstrafe gedroht.

Wongs Partei wurde 2020 aufgelöst

Wong wurde vorgeworfen, mit dem im Exil lebenden Aktivisten Nathan Law und weiteren Personen ausländische Staaten, Organisationen oder Einzelpersonen dazu aufgefordert zu haben, Sanktionen oder Blockaden gegen Hongkong und China zu verhängen. Die Staatsanwaltschaft verwies auf eine internationale Kampagne der 2020 aufgelösten Partei Demosistō („Steh für das Volk“), deren Anführer Wong war. Dazu gehörten Reisen nach Washington und Treffen mit der damaligen Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi (Demokraten), sowie dem heutigen Außenminister Marco Rubio (Republikaner), der damals noch Senator war. Im September hatte Wong sich schuldig bekannt. In der Verhandlung erklärte er jedoch: „Ich habe niemals die Unabhängigkeit Hongkongs befürwortet, noch habe ich jemals den ‚Zusammenbruch Chinas‘ oder einen Regierungswechsel propagiert.“ Er habe auch keine ausländischen Gelder erhalten oder Geld für ausländische Berater ausgegeben. Er sei davon ausgegangen, dass sich seine Aktivitäten im Rahmen des Gesetzes bewegt hätten.

Freilassung voraussichtlich erst 2036 

Wong war 2014 als Anführer der von Studenten getragenen „Regenschirmbewegung“ bekanntgeworden, die sich für freie Wahlen in Hongkong einsetzte. Er befindet sich seit November 2020 in Haft. Er war zuvor wegen der Organisation einer nicht genehmigten regierungskritischen Versammlung während der Proteste von 2019 verurteilt worden. Wong wird voraussichtlich erst 2036 das Gefängnis verlassen können. Die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA hatte den bekennenden Lutheraner 2020 zu den „Christen des Jahres“ gezählt.