05.11.2026

Syrien: Lehrpläne werden islamistisch umgestaltet

Gesellschaft für bedrohte Völker warnt vor Indoktrination an Schulen

Göttingen/Damaskus (IDEA) – Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV/Göttingen) hat sich besorgt über die Umgestaltung der Lehrpläne an syrischen Schulen geäußert. Die Bildungseinrichtungen würden umfassend neu strukturiert und ideologisch vereinnahmt, zudem werde eine sunnitisch-islamistische Weltanschauung vermittelt, teilte der Nahostreferent der Gesellschaft, Kamal Sido, mit: „Für ein pluralistisches, demokratisches Syrien macht das wenig Hoffnung.“ Die Machthaber in Damaskus fühlten sich mit Unterstützung der USA, der türkischen Regierung unter Recep Tayyip Erdogan, Deutschlands, Katars sowie Russlands „fest im Sattel“ und forcierten nun, was praktisch alle diktatorischen Regime vor ihnen getan hätten: die Umgestaltung der schulischen Lehrpläne nach ihren ideologischen Vorstellungen.

Islamistische Dogmen statt naturwissenschaftlicher Erkenntnisse

So würden naturwissenschaftliche Erkenntnisse in den Lehrplänen und Schulbüchern nur noch eingeschränkt wiedergegeben. Stattdessen rückten islamistische Dogmen in den Vordergrund, während Minderheiten und Frauen durch negative Bilder oder Nichtnennung aus dem Blickfeld gedrängt würden. „Wichtige Symbole, die mit der Geschichte und dem nationalen Erbe der Assyrer-Aramäer, der griechisch-römischen Vergangenheit und der Christenheit zusammenhängen, werden aus den Lehrplänen und Büchern entfernt oder verschwiegen“, so Sido. Auch historische Kunst werde zensiert. In den Schulbüchern würden Frauen ohne Kopftuch zunehmend durch Frauen mit Kopftuch oder Vollverschleierung ersetzt. Der syrische Machthaber Ahmed al-Scharaa und seine Regierung wollten die heranwachsende Generation ihrer Ideologie entsprechend indoktrinieren, kritisierte Sido. Für eine nachhaltige Zukunft Syriens seien jedoch wissenschaftlich fundierte Lehrpläne erforderlich, die Toleranz förderten und alle Teile der Gesellschaft, alle Sprachen, Ethnien und Religionsgemeinschaften, insbesondere die christlichen, gleichermaßen repräsentierten.