10.09.2026

China: Anwältin der „Zion-Kirche“ nach Taiwan geflohen

Zuvor musste ihre Kanzlei bereits die Tätigkeit einstellen

Taipei/Midland (IDEA) – Eine chinesische Anwältin, die inhaftierte Leiter der Pekinger Untergrundkirche „Kirche von Zion“ vertreten hat, ist mit ihrer Familie aus China geflohen. Das teilte die christliche Menschenrechtsorganisation ChinaAid (Midland/Texas) mit. Demnach traf Wang Xiahong, auch Ruth Wang genannt, am 3. September mit ihrem Ehemann und zwei kleinen Kindern in Taiwan ein und ersuchte die dortigen Behörden um Schutz. Die Zion-Kirche wurde 2007 in Peking gegründet und wuchs innerhalb weniger Jahre auf 1.000 Mitglieder. Sie gilt als eine der größten Untergrundkirchen Chinas. Im Oktober 2025 waren der Gründer der Gemeinde, Pastor Jin Mingri, und mehr als 30 weitere Mitglieder und Leiter in China festgenommen worden. Die Behörden warfen ihnen die illegale Verbreitung religiöser Informationen vor. Jin kam nach Gesprächen zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping am 4. Juli frei und reiste in die USA aus. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA hatten Jin im Januar 2026 als „Gefangenen des Monats“ benannt und dazu aufgerufen, sich für ihn einzusetzen.

„Weckruf an die internationale Gemeinschaft“

Als Grund für die Flucht der Anwältin nannte ChinaAid massiven staatlichen Druck wegen Wangs Einsatzes für die verhafteten Mitglieder der Zion-Kirche. Zuvor sei ihre Kanzlei gezwungen worden, die Tätigkeit einzustellen. Wang habe befürchtet, weiter ins Visier der chinesischen Behörden zu geraten. Mit Rücksicht auf die Sicherheit der Familie machte die christliche Organisation keine näheren Angaben zu den Umständen der Ausreise. Der Gründer und Präsident von ChinaAid, Pastor Bob Fu, bezeichnete die Flucht als „Weckruf an die gesamte internationale Gemeinschaft“. Der Fall zeige den Druck, dem Anwälte ausgesetzt seien, die verfolgte Christen und andere Gewissensgefangene verteidigten. „Alles, was Anwältin Wang Xiahong getan hat, war, die grundlegendste berufliche Pflicht eines Anwalts zu erfüllen“, sagte Fu. Ihre Beteiligung an Fällen der Zion-Kirche habe sie fürchten lassen, selbst zur Zielscheibe zu werden. Fu appellierte an Taiwan, die USA und andere demokratische Regierungen, Wang und ihre Familie zu schützen: „Schickt sie nicht zurück zu der Regierung, vor der sie fliehen mussten.“ In China sind nur zwei christliche Kirchen anerkannt: die „Katholisch-Patriotische Vereinigung“ und die protestantische „Drei-Selbst-Bewegung“. Beide stehen nach Angaben des Hilfswerks Open Doors unter strenger staatlicher Kontrolle, die der „Sinisierung“ – der Anpassung an die chinesische Kultur – dient. In der Volksrepublik mit rund 1,4 Milliarden Einwohnern leben Schätzungen zufolge bis zu 130 Millionen Christen.