12.10.2026
Deutschland: Rollstuhlfahrer in Berlin attackiert
Mutmaßlich antisemitisch motiviert: Hans-Georg Lindenau brachte in seinem Laden Aushänge gegen Judenhass an
Berlin (IDEA) – In Berlin-Kreuzberg haben Jugendliche einen 67-jährigen Geschäftsinhaber im Rollstuhl mehrfach beleidigt und angegriffen, nachdem er in seinen Schaufenstern Aushänge gegen Judenhass angebracht hatte. Das teilte die Polizei Berlin am 10. Oktober mit. Laut „Bild“ handelt es sich bei dem Betroffenen um Hans-Georg Lindenau. Er betreibt seit 1978 den linksalternativen Szeneladen „M 99“. Nach eigenen Angaben hatte er Anfang Oktober Aushänge gegen Judenhass im Zusammenhang mit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 in seinen Schaufenstern angebracht. Am 7. Oktober – dem dritten Jahrestag des Angriffs der Hamas – sollen gegen 19:20 Uhr etwa sechs Jugendliche in dem Geschäft erschienen sein und den Rollstuhlfahrer beleidigt und mit Pfefferspray besprüht haben. Am Abend des 8. Oktober sollen erneut bis zu sechs Jugendliche in das Geschäft gekommen sein und den Inhaber mit Pfefferspray angesprüht haben. Als er um Hilfe gerufen habe, seien die Angreifer geflüchtet. Kurz darauf, als er sein Geschäft schließen wollte, seien die Tatverdächtigen zurückgekehrt und hätten ihn wiederholt mit Pfefferspray angegriffen und geschlagen. Lindenau klagte laut Polizei über Schmerzen im Gesicht. Am Abend des 9. Oktober beobachteten mehrere Zeugen, wie bis zu acht Jugendliche auf E-Scootern zu dem Geschäft fuhren und mit Füßen und Fäusten die Eingangstür traktierten. Sie wurde dabei beschädigt. Die Tatverdächtigen flüchteten anschließend.
Lindenau: „Keine Feindschaft mit Juden“
Nach Angaben von „Bild“ erhält Lindenau mittlerweile viel Unterstützung. Am Abend des 10. Oktober seien Bürger in seinen Laden gekommen und hätten wissen wollen, wie sie ihm helfen könnten. Der Geschäftsinhaber betonte: „In meinem Laden unterscheide ich nicht nach Herkunft, Religion oder Hautfarbe. Diesen Respekt erwarte ich auch in meinem Laden. Deshalb kommuniziere ich immer wieder: ‚Keine Feindschaft mit Juden‘.“ Die Ermittlungen wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung, Beleidigung und Sachbeschädigung hat der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt übernommen.