14.09.2026

Indien: Kirche abgerissen

Christen sprechen von politischer Vergeltung. Die Maßnahme folgte auf ein neues Anti-Konversionsgesetz

Kalewadi (IDEA) – Behörden im indischen Bundesstaat Maharashtra haben die evangelikale Freikirche „Jesus is Lord“ in Kalewadi abreißen lassen. Die Zerstörung erfolgte in der Nacht vom 6. auf den 7. September – wenige Stunden vor einer für den Morgen angesetzten Gerichtsverhandlung über das Gebäude. Eine einstweilige Verfügung sollte den Abbruch verhindern. Das berichtete das katholische Nachrichtenportal „AsiaNews“. Die Kommunalbehörde erklärte, es habe sich um eine reguläre Maßnahme gegen eine nicht genehmigte Bautätigkeit gehandelt. Gemeindemitglieder werfen den Behörden dagegen vor, die gerichtliche Verfügung missachtet zu haben. Zeugen berichteten, örtliche Beamte hätten sich geweigert, vor dem Abriss die entsprechenden rechtlichen Unterlagen zu prüfen. Mitglieder der Kirche bezeichneten den Einsatz laut „AsiaNews“ offen als „politische Vergeltung“. Der Abriss folge auf Monate zunehmender religiöser und politischer Spannungen in der Region und ziele darauf ab, die örtliche Wählerschaft zu besänftigen. Seit Dezember 2024 ist Devendra Fadnavis von der hindu-nationalistischen Partei Bharatiya Janata Party (BJP) Ministerpräsident des Bundesstaates.

Sorge um neues Anti-Konversionsgesetz

Auch die katholische Kirche in Maharashtra schlägt Alarm: Der kürzlich in Kraft getretene „Maharashtra Freedom of Religion Act 2026“ soll Religionswechsel verhindern, die durch Zwang, Betrug oder unzulässigen Druck herbeigeführt werden. Bei Verstößen drohen Freiheitsstrafen von bis zu sieben Jahren sowie Geldstrafen, bei Wiederholungstätern bis zu zehn Jahre Haft. Darüber berichtete das Portal „Vatican News“. Geahndet werden können auch das Versprechen von Arbeit und kostenloser Bildung sowie das Anbieten von Geld oder Geschenken mit dem Ziel eines Religionswechsels. Selbst die Darstellung des eigenen Glaubens als anderen Religionen überlegen kann unter bestimmten Voraussetzungen unter die Regelung fallen. Der Bischof von Poona, Simon Almeida, sieht Auswirkungen auf das kirchliche Leben. Katholiken wollten keineswegs Menschen zur Konversion drängen, sagte er der Nachrichtenagentur Fides. Für Menschen, die sich aus eigenem Antrieb mit dem christlichen Glauben beschäftigen wollten, sei dieser Weg jedoch schwieriger geworden. Bei der Verkündigung sei nun größere Vorsicht notwendig, so Almeida. Aussagen über Jesus Christus könnten als Abwertung anderer Religionen ausgelegt werden. Die neue Gesetzgebung erschwere damit auch die Predigt. Auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors belegt Indien Platz zwölf der Länder, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Von den rund 1,4 Milliarden Einwohnern Indiens sind 73 Prozent Hindus, 14 Prozent Muslime und fünf Prozent Christen.