15.10.2026

Deutschland: Immer mehr Opfer von Menschenhandel

Die Dunkelziffer ist groß

Die Zahl der Betroffenen von Menschenhandel steigt – und auch die der Ermittlungsverfahren. Das hat das „Deutsche Institut für Menschenrechte“ ermittelt, erklärt aber auch.

(Von Anna Lutz vom 15. Oktober 2026 - pro-kompakt) t sexuelle Ausbeutung, aber auch Arbeitsausbeutung, etwa auf dem Bau, in der Pflege, aber auch im Hotel- und Gaststättengewerbe. Im Bereich der Prostitution sind 90 Prozent der Betroffenen weiblich. Bei der Arbeitsausbeutung seien hingegen meist Männer betroffen.

Viele Betroffene bleiben unsichtbar

Laut Naile Tanis, Leiterin der „Berichterstattungsstelle Menschenhandel“, wandten sich im Jahr 2024 rund drei Personen pro Tag an Hilfestellen, die Ermittlungsbehörden suchten etwa zwei Menschen pro Tag auf. Dabei blieben viele Betroffene unsichtbar, weil sie sich keine Hilfe suchten. Die Dunkelziffer sei so hoch, dass man eigentlich nicht genau wisse, wie viele Fälle es tatsächlich gebe.

Tanis kritisierte, dass viele Betroffene nach wie vor zu wenig Unterstützung erhielten. Sie forderte etwa bundesweite Mindeststandards, um Betroffene zu erkennen und sie an die richtigen Stellen zu verweisen. „Es fehlt an einheitlichen Regeln“, sagte sie bei der Vorstellung des Berichts am Donnerstag. Auch in der Polizeiausbildung werde zwar zunehmend, aber immer noch zu wenig Wissen zum Thema vermittelt. 

Positiv hob sie hervor, dass das Angebot der Fachberatungsstellen gewachsen sei – ebenso wie aber auch die Fallzahlen. Deshalb gebe es nach wie vor viel zu wenige Schutzunterkünfte für Betroffene, insbesondere von Arbeitsausbeutung.

Mehr Prävention, auch an Schulen

Beate Rudolf, Direktorin des Instituts, forderte weitere konkrete Maßnahmen, um die Lage der Betroffenen zu verbessern. So müssten alle von ihnen bundesweit Zugang zu Unterstützungsangeboten haben, etwa durch Schutzwohnungen oder Beratungsstellen. Auch dazu brauche es einheitliche Mindeststandards für die Identifizierung von Opfern und die Verweisung an Fachberatungsstellen.

Das Institut hob auch hervor, dass es mehr Präventionsarbeit in Schulen und Kinder- und Jugendeinrichtungen brauche, um Eltern und Verantwortlichen klarzumachen: Wo beginnt Ausbeutung? Denn nicht alle Opfer von Menschenhandel kämen aus dem Ausland. Es seien in großer Zahl auch deutsche Kinder und Jugendliche betroffen.