16.07.2026

Deutschland: „Ein Skandal – aber wir vergeben euch“

Zeal Church: Die Gemeinde reagiert auf Bekennerschreiben nach 27. Anschlag

Leipzig (IDEA) – Nach der Schließung des von der Zeal Church betriebenen Cafés „Stay“ im Leipziger Stadtteil Reudnitz hat sich die Freikirche in einer Erklärung an die mutmaßlichen Täter, die Stadt und die Öffentlichkeit gewandt. Anlass ist ein am 9. Juli auf der linksextremistischen Plattform „Indymedia“ veröffentlichtes Schreiben. In diesem bekennen sich autonome Aktivisten zu dem inzwischen 27. Angriff auf das Café am 5. Juli: „Eine Woche nach dem Jahrestag der Stonewall Riots (Stonewall Unruhen) haben wir dem queerfeindlichen Café Stay einen Besuch abgestattet und schadenfrohe Abschiedsgrüße gesendet.“ Die Stonewall-Unruhen ereigneten sich im Jahr 1969 in New York. Damals wehrten sich Besucher nach einer Polizeirazzia in der Schwulenbar „Stonewall Inn“ gegen Polizeigewalt und Diskriminierung. Das Ereignis gilt als wichtiger Ausgangspunkt der weltweiten LGBTQ-Bewegung. Die Verfasser des Bekennerschreibens äußerten ihre Freude über die Schließung des Cafés. Es sei in den vergangenen drei Jahren „unermüdlich“ angegriffen worden. Die Schließung bezeichneten sie als „klaren Gewinn für die autonomen Queers und Allies in Leipzig“. Die Zeal Church nannten sie eine „fundamentalistische Freikirche“, die weiterhin versuchen werde, „menschenfeindliche Ideologien“ in Leipzig zu verbreiten. Deshalb solle man „weiterhin wachsam“ bleiben. Zu dem Beitrag wurden Fotos veröffentlicht, auf denen vermummte Personen mit Fackeln vor dem Café stehen.

Zeal Church: „Wir bleiben“

Die Zeal Church reagierte auf das Bekennerschreiben am 15. Juli mit einer Stellungnahme unter der Überschrift „Wir bleiben. Auch ohne Café, auch ohne Angst vor euch“. Für die Freikirche bestehe „der Skandal“ darin, dass die Täter sich öffentlich zeigten, weil sie wüssten, „dass euch nichts geschieht“. Sie betonte, sich trotz der Angriffe nicht einschüchtern zu lassen: „Ihr könnt Fenster zerschlagen, ihr könnt uns die Miete unbezahlbar machen, ihr könnt uns aus einem Gebäude vertreiben. Einen Glauben könnt ihr nicht zerschlagen. Eine Gemeinde könnt ihr nicht schließen.“ Man werde sich weiterhin sonntags zum Gottesdienst versammeln. An die Täter gewandt, heißt es: „Wir vergeben euch. Nicht, weil es leicht wäre, sondern weil es das Einzige ist, was uns von euch unterscheidet.“ Ferner schreibt die Freikirche: „Wenn einer von euch je reden statt zerstören will, war unsere Tür offen und wird es auch immer sein.“

„Ihr wart einmal die Stadt des Mutes“

Deutliche Kritik übt die Zeal Church am Umgang der Stadt Leipzig mit den Angriffen. Zwar habe Oberbürgermeister Burkhard Jung die Übergriffe – wenn auch spät – verurteilt und ein Gespräch mit der Kirche geführt. Das Ordnungsdezernat unter Bürgermeister Heiko Rosenthal habe den Fall jedoch vor allem als „wirtschaftliches Problem“ behandelt und bis heute nicht den direkten Kontakt gesucht. Auf die Friedliche Revolution im Jahr 1989 anspielend, heißt es: „Ihr wart einmal die Stadt des Mutes. (…) Und heute, an der Dresdner Straße, jagt man Menschen weg, und die Stadt schaut zu. Was ist eine Toleranz wert, die schweigt, sobald die Falschen die Opfer sind?“ In der Stellungnahme fordert die Freikirche von der Stadt Leipzig unter anderem ein kommunales Sicherheitskonzept für die Standorte des Cafés Stay und ihres Kirchengebäudes sowie eine koordinierte Neubewertung aller 27 Angriffe durch Polizei und Staatsanwaltschaft. Zudem verlangen die Verfasser der Stellungnahme ein persönliches Gespräch mit Ordnungsbürgermeister Rosenthal und einen wirksamen Schutz für alle bedrohten religiösen Orte in Leipzig, „ohne Ansehen des Glaubens“. Die Freikirche wolle mit ihrer öffentlichen Kritik weder „die vielen anständigen Menschen“ in der Stadt noch eine konkrete Partei angreifen, sondern zwei Dinge benennen: „Linksextremisten, die sich zu ihren Taten bekennen. Und ein Amt, das seiner Pflicht nicht nachkommt.“ Die Zeal Church gehört zum Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP). Ihr Pastor ist René Wagner.