16.07.2026

Pakistan: Drei Jahre nach Pogrom - Kranfahrer verurteilt

Er war im August 2023 an der Zerstörung von Kirchen in Jaranwala beteiligt

Faisalabad (IDEA) – Fast drei Jahre nach dem Pogrom gegen Christen in der pakistanischen Stadt Jaranwala (Provinz Punjab) hat ein Antiterrorgericht in Faisalabad einen muslimischen Kranfahrer verurteilt. Irfan Yousaf muss für seine Beteiligung an den Übergriffen für zehn Jahre in Haft. Zum Hintergrund: Am 16. August 2023 hatten radikale Muslime rund 26 Kirchengebäude und bis zu 90 Häuser von Christen zerstört. Vorausgegangen war ein Vorwurf der Blasphemie gegen zwei Christen, die später freigesprochen wurden. Hunderte Christen flohen damals aus der Stadt. Beobachter werteten die Ausschreitungen als eines der schwersten Pogrome gegen Christen in der Geschichte Pakistans. Das Gericht befand Yousaf am 13. Juli der Schändung und Brandstiftung für schuldig. Nach Angaben der Nachrichtenagentur UCA News hatte der 34-Jährige während der Ausschreitungen mit seinem Kran drei Kirchen, darunter eine der Heilsarmee, an unterschiedlichen Stellen Jaranwalas zerstört. Zwölf weitere Angeklagte sprach der Richter hingegen aus Mangel an Beweisen frei. Gleichzeitig wies er die Strafverfolgungsbehörden jedoch an, 100 bis 150 bislang nicht identifizierte Verdächtige aufzuspüren und zu verhaften. Zudem rügte er die beteiligten Sicherheitsbehörden. Sie hätten es versäumt, während der Ausschreitungen Verstärkung anzufordern, und hätten Beweismittel nicht ordnungsgemäß behandelt. Noch im August 2025 hatten Kirchenvertreter beklagt, dass die Täter bisher nicht zur Verantwortung gezogen wurden.

Videobeweise und eingeschüchterte Zeugen

Wie der katholische Nachrichtensender EWTN berichtet, reagierten die Anwesenden bei einem Treffen des Nationalen Rates der Kirchen in Pakistan (NCCP) und des christlichen „Forums zur Umsetzung von Minderheitenrechten“ (IMRF) mit Applaus auf die Bekanntgabe des Urteils. Der IMRF-Vorsitzende Samuel Pyara berichtete, die Verurteilung sei erst durch die Videoaufnahme einer Christin ermöglicht worden. Dort sei Yousaf beim Abriss einer Kirche sowie eines angrenzenden Wohnhauses zu sehen. Staatlich bestellte Sachverständige hätten die Aufnahmen als authentisch bestätigt. Pyara wies zudem darauf hin, dass christliche Zeugen während des Prozesses von ihrem muslimischen Umfeld massiv eingeschüchtert worden seien. Die Menschenrechtsanwältin Sharon Shamir (Lahore) warnte gegenüber EWTN, die Verurteilung als umfassende Gerechtigkeit zu betrachten: „Ein Einzelurteil angesichts einer Tragödie von der Größenordnung Jaranwalas kratzt kaum an der Oberfläche.“ Gerechtigkeit „ist keine Schlagzeile und kein einzelner Moment, sondern ein Prozess“. Solange dieser Prozess nicht abgeschlossen sei, sei es irreführend, von vollzogener Gerechtigkeit zu sprechen. Auf dem Weltverfolgungsindex 2026 des überkonfessionellen Hilfswerks Open Doors steht Pakistan an achter Stelle unter den 50 Ländern, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Von den rund 250 Millionen Einwohnern sind 96 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen und ein Prozent Hindus.