16.10.2026
Deutschland: Veranstalter verteidigt Sedra-Auftritt in Garching
„Reviving The World“: „Klare Verkündigung“ sei „kein Ausdruck von Lieblosigkeit“
Dunningen (IDEA) – Die Debatte um den Auftritt der australischen Prediger Martin und Millicent Sedra in Garching bei München hält an. Das Ehepaar war zuvor von dem Jugendfestival der „Holy Spirit Night“ im Gospel Forum Stuttgart ausgeladen worden. Als Begründung wurde angeführt, dass die Art und Weise, wie die Sedras über Menschen – insbesondere über Homosexuelle, Muslime und Andersdenkende – sprächen, nicht mit den Werten übereinstimme, für die die „Holy Spirit Night“ stehe. Martin Sedra hatte in einer bei YouTube veröffentlichten Predigt an Homosexuelle gerichtet unter anderem gesagt: „Turn or burn!“ („Kehrt um oder verbrennt!“). Veranstalter des Auftritts in Garching war der Verein „Reviving The World“ (Dunningen bei Rottweil). Vereinsvorstand David Rotärmel wies auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA die Kritik am Verkündigungsstil der Sedras zurück. Eine Predigt dürfe „leidenschaftlich, direkt und herausfordernd sein, ohne deshalb automatisch aggressiv oder lieblos zu sein“, so Rotärmel. Er habe die Sedras nach der Stuttgarter Ausladung bewusst nach Garching eingeladen, „weil ich ihnen die Möglichkeit geben wollte, ihre Botschaft zu verkündigen“. Er stehe dafür ein, dass auch als „kontrovers“ bezeichnete christliche Überzeugungen öffentlich ausgesprochen und sachlich diskutiert werden könnten. Die Sedras verträten „rein theologisch die Bibel und die Wahrheiten des Wortes Gottes“.
Rotärmel: „Furchtlosigkeit auf der Kanzel“ sei „dringend notwendig“
Wie Rotärmel weiter ausführte, schätzt er an den Sedras, dass sie auch gesellschaftlich kontroverse Themen ansprächen und biblische Aussagen „direkt und unverkürzt“ wiedergäben. Eine solche „Furchtlosigkeit auf der Kanzel“ halte er heute für selten und dringend notwendig. Zugleich betonte er, dass die Art der Vermittlung nicht grundsätzlich jeder Kritik entzogen sein solle: „Natürlich ist es wichtig, Menschen mit Würde zu begegnen.“ Eine Botschaft sei aber nicht schon deshalb lieblos, weil sie widerspreche, herausfordere oder unbequem sei. Er wünsche sich, dass in der Debatte stärker auf die tatsächlichen Aussagen und ihre biblische Grundlage eingegangen werde, „statt klare Verkündigung vorschnell als Hetze einzuordnen“. Rotärmel sieht in der Kontroverse auch eine grundsätzliche Herausforderung für den Leib Christi in Deutschland: „Kann es sein, dass wir so politisch korrekt geworden sind, dass wir nicht mehr den Mut haben, für die Klarheit des Wortes Gottes einzustehen?“ Wenn dies der Fall sei, müsse das herausgefordert werden.
Vorwürfe der EZW an einer Stelle falsch
Nach dem Auftritt der Sedras warf die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW/Berlin), ihnen auf Instagram vor, in ihren Predigten gegen die LGBTQ-Bewegung, den Islam und Abtreibungen gehetzt zu haben. Schwule seien in einer „hochaggressiven Rhetorik“ mit Mördern verglichen worden. Rotärmel wies die Darstellung, Schwule seien mit Mördern verglichen worden, zurück. Auf IDEA-Nachfrage räumte EZW-Referentin Katharina Portmann den Fehler ein. Rotärmel entgegnete auf die Kritik der EZW: „In unserer Gesellschaft muss es möglich sein, unterschiedliche Auffassungen über gewisse Fragen zu vertreten und zu diskutieren. Das gilt auch für konservative christliche Positionen.“ Meinungsfreiheit bedeute dabei nicht, von Kritik verschont zu bleiben. Sie bedeute aber, dass Kritik fair, präzise und auf Grundlage dessen erfolgen sollte, was tatsächlich gesagt wurde.
Zur Ausladung durch Markus Wenz
Zur Ausladung der Sedras von der „Holy Spirit Night“ durch den Leiter des Gospel Forums Stuttgart, Markus Wenz, wollte Rotärmel nicht „spekulieren“. Auch unter Christen mit konservativer Theologie könne es „unterschiedliche Auffassungen über die Form und den Stil der Verkündigung geben“. Er sei selbst ein guter Freund von Wenz und bei der diesjährigen Veranstaltung dabei gewesen. Dort hätten – wie in jedem Jahr – „Hunderte von Menschen ihr Leben Jesus gegeben“. Das klare Evangelium sei gepredigt und Menschen aufgefordert worden, „durch Buße und Glauben ihr Leben Jesus zu geben“. Er schätze das Gospel Forum und die Bewegung hinter der „Holy Spirit Night“.