17.07.2026

Deutschland: Debatte um Spahn - Evangelische Kirche meldet sich zu Wort

Landesbischof Gohl sieht Gefahr, dass Vertrauen in die Politik beschädigt wird

Berlin/Stuttgart (IDEA) – Die Debatte um den Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU im Bundestag, Jens Spahn, im Zusammenhang mit Leihmutterschaft weitet sich aus. Jetzt hat sich auch der württembergische Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl (Stuttgart) zu Wort gemeldet. Spahn hatte die Geburt seines Sohnes bekanntgegeben, der aus einer Leihmutterschaft in den USA hervorgegangen ist. Dabei war der Politiker, der mit Daniel Funke verheiratet ist, früher selbst Gegner der Leihmutterschaft. Sie ist in Deutschland verboten. Gohl erklärte zur Debatte über den Vorwurf der Doppelmoral im Fall von Spahn: „Wer den Eindruck erzeugt, dass politische Überzeugungen und persönliches Handeln auseinanderfallen, verliert Vertrauen. Dies beschädigt auch das Vertrauen in Politik insgesamt.“ Aus dem Verhalten Einzelner entstehe schnell ein „unbegründeter Generalverdacht gegenüber allen, die politische Verantwortung tragen“, so Gohl. Davon profitierten Anti-Demokraten, „die unsere demokratischen Grundwerte grundsätzlich infrage stellen“. Der Landesbischof betonte, dass er dem „Verbot der Leihmutterschaft als Christ und Theologe“ zustimme. Zugleich äußerte er, dass ein unerfüllter Kinderwunsch Mitgefühl verdiene. Ethische Fragen der Leihmutterschaft müssten in Ruhe und angemessen diskutiert werden.

EAK der CDU/CSU bekräftigt Nein zur Leihmutterschaft

Der Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU, Thomas Rachel (Düren) nahm ebenfalls Stellung zur Debatte: „Leihmutterschaft ist in Deutschland aus guten Gründen gesetzlich verboten.“ So solle es aus Sicht des EAK auch bleiben. Kommerzialisierung, Ausbeutung und gesundheitliche Risiken müssten generell verhindert werden. Auch die CDU habe zum Thema Leihmutterschaft eine eindeutige Beschlusslage, „nämlich die Ablehnung jeder Form von Leihmutterschaft aufgrund der gravierenden ethischen, rechtlichen und praktischen Bedenken gegen dieses Geschäftsmodell“. Die Selbstbestimmung ende dort, „wo andere Menschen zum Mittel werden“. Zuvor hatte es teils heftige Kritik aus der Union und anderen Parteien an Spahn gegeben. Der CDU-Landesvorsitzende in Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters, und die Landesvorsitzende der Frauen Union Thüringen, Marion Rosin, forderten sogar seinen Rücktritt.