17.07.2026

Deutschland: St.-Martini-Gemeinde kritisiert Straffreiheit für Bus-Blockierer

Sie hatten im September 2025 die Fahrt zum „Marsch für das Leben“ verzögert

Bremen (IDEA) – Die Evangelische St.-Martini-Gemeinde in Bremen hat mit scharfer Kritik auf die Einstellung eines Ermittlungsverfahrens gegen mutmaßliche Blockierer ihres Reisebusses zum „Marsch für das Leben“ im September 2025 reagiert. Sie bestätigte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA, dass sie einen entsprechenden Bescheid der Staatsanwaltschaft erhalten hat. Zuerst hatte die Wochenzeitung „Junge Freiheit“ über den Vorgang berichtet. Rund 30 Demonstranten hatten am 20. September 2025 die Abfahrt des Reisebusses nach Berlin blockiert. Statt wie geplant um 6.00 Uhr konnte der Bus erst um 7.36 Uhr starten. Ein Teil der Gemeindeglieder verpasste dadurch Teile der Veranstaltung in Berlin. Die Gemeinde hatte daraufhin Strafanzeige unter anderem wegen Nötigung, Störung der Religionsausübung, Volksverhetzung, Beleidigung sowie gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr gestellt. Bereits im Jahr zuvor hatten Linksradikale die Abfahrt des Busses mit einer Blockade verzögert.

Parolen gegen die Gemeinde und Pastor Latzel

Nach Darstellung der Gemeinde skandierten die Demonstranten über ein Megafon Parolen wie „Hätte Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben“, „Eure Kinder werden so wie wir – eure Kinder werden alle queer“ und „Fundis verpisst euch – keiner vermisst euch“. Der Pastor der Gemeinde, Olaf Latzel, sei in Sprechchören persönlich beleidigt worden. In einer verlesenen Erklärung hätten die Demonstranten der Gemeinde vorgeworfen, mit „Burschenschaftlern, fundamentalen Christen, AfD‘lern und sonstigen Nazis“ gegen Abtreibung und Selbstbestimmung auf die Straße zu gehen. Nach Eintreffen des Busses hätten sich die Demonstranten ihn mit Transparenten blockiert. Der Busfahrer sei im Fahrzeug eingeschlossen gewesen. Die Gemeindeglieder hätten sich auf Bitten der Polizei in den Gemeindesaal zurückgezogen. Auf einem Video ist zu hören, wie ein Sprecher ruft, dass Gebet nicht helfen werde: „Wir bleiben hier!“

Staatsanwaltschaft erkennt darin keine „Verhinderungsblockade“

Wie aus dem IDEA vorliegenden Schreiben der Staatsanwaltschaft Bremen hervorgeht, hat sie das Verfahren gegen acht namentlich ermittelte Beschuldigte eingestellt. Die Schuld sei als gering anzusehen, ein öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung bestehe nicht. Es habe sich nicht um eine reine Verhinderungsblockade gehandelt, sondern um eine Versammlung, die „in den Rahmen der öffentlichen Meinungsbildung einzuordnen“ sei, heißt es in dem Bescheid. Zwar bestehe kein Recht, „durch Sitzblockaden im Straßenverkehr und die Instrumentalisierung Dritter öffentliche Aufmerksamkeit für eigene Anliegen zu erzwingen“. Die Teilnahme am „Marsch für das Leben“ sei den Betroffenen jedoch „nicht vollständig verwehrt“ worden. Die Verspätung habe lediglich dazu geführt, dass diese einzelne Programmpunkte in Berlin nicht hätten wahrnehmen können. Weitere Ermittlungen seien daher unverhältnismäßig und die Beschuldigten lediglich verwarnt worden.

Gemeinde: „Wir weichen nicht“

Die Gemeinde teilte IDEA dazu mit, dass die Begründung der Staatsanwaltschaft aus ihrer Sicht „völlig unverständlich, geradezu haarsträubend und ein Skandal“ sei: Die Blockade habe die Abfahrt des Busses immerhin über anderthalb Stunden verhindert. Diese „klare Verhinderungsblockade“ werde in eine Versammlung im Rahmen der öffentlichen Meinungsbildung „uminterpretiert“. Es sei zudem bereits das zweite Mal, dass der Bus vor der Abfahrt nach Berlin „von den Chaoten aus der queer-feministischen und linken Szene“ festgesetzt worden sei. Die Gemeinde lasse sich dadurch jedoch nicht beeindrucken: „Wir weichen nicht vor denen, die Gewalt gegen Christen auf die Straße bringen.“ Auch in diesem Jahr werde eine Delegation der Gemeinde zum „Marsch für das Leben“ in Berlin fahren – „und wir fahren wieder vor der Kirche ab“. Der Marsch wird jährlich vom Bundesverband Lebensrecht (BVL) in Berlin und Köln veranstaltet. In diesem Jahr findet er am 19. September statt.