18.08.2026
Deutschland: Zeugen Jehovas füllen das Volksparkstadion in Hamburg
Zehntausende Teilnehmer besuchten den internationalen Kongress
Hamburg (IDEA) – Zehntausende Angehörige der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas haben sich vom 14. bis 16. August zu einem internationalen Kongress im Hamburger Volksparkstadion versammelt. Wie der Norddeutsche Rundfunk (NDR) berichtete, ließen sich im Rahmen des Kongresses rund 40 Erwachsene taufen. Fans des Hamburger Sport-Vereins (HSV) äußerten teils heftige Kritik an der Vermietung des Stadions an die Sondergemeinschaft. Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ liegt die Stadionmiete für die dreitägige Veranstaltung im sechsstelligen Bereich. Der Sprecher der Zeugen Jehovas in Norddeutschland, Michael Tsifidaris, erinnerte gegenüber dem Sender SAT.1 REGIONAL daran, dass in der NS-Zeit über 4.000 Zeugen Jehovas in Konzentrationslager gesperrt und etwa 1.800 ermordet worden seien. Die Nationalsozialisten hatten sie unter anderem wegen der Verweigerung des Wehrdienstes verfolgt.
Nach dem Amoklauf von 2023: Gemeinde in Alsterdorf trifft sich wieder
Im März 2023 hatte ein Amoklauf die Zeugen Jehovas in Hamburg erschüttert. Ein ehemaliges Mitglied der Gemeinschaft war kurz nach einem abendlichen Gottesdienst in ein Gemeindezentrum im Stadtteil Alsterdorf eingedrungen und hatte sieben Menschen, darunter ein ungeborenes Kind, und sich selbst erschossen. Elf weitere Menschen wurden verletzt. Der Amoklauf hatte in Deutschland und international große Betroffenheit ausgelöst. Seit Anfang Mai 2026 finden laut dem NDR in dem komplett renovierten Gebäude wieder Gottesdienste statt.
Eine Sondergemeinschaft
Die Zeugen Jehovas sind eine religiöse Sondergemeinschaft, die sich selbst als christlich versteht. Sie hat ihre Ursprünge in den USA und lehnt den Glauben an die Göttlichkeit Jesu ab. Das Feiern von Geburtstagen und kirchlichen Festen wie Weihnachten und Ostern lehnen die Zeugen Jehovas als „heidnische Bräuche“ ab. Weltweit zählt die Gemeinschaft nach eigenen Angaben mehr als neun Millionen Mitglieder in 241 Ländern. In Deutschland gibt die Glaubensgemeinschaft rund 177.000 aktive Mitglieder an. Die deutsche Zentrale befindet sich in Selters (Taunus), der Sitz in Berlin. Die Mitglieder verweigern sich Bluttransfusionen ebenso wie dem Militärdienst und der Teilnahme an Wahlen. Evangelische Weltanschauungsbeauftragte äußerten sich wiederholt kritisch über die Zeugen Jehovas. Die Religionsgemeinschaft versuche, sich in der Öffentlichkeit als modern und offen darzustellen, sei aber intern straff hierarchisch aufgebaut. Auf die Mitglieder werde enormer psychischer Druck ausgeübt. Zweifel an Glaubenssätzen würden nicht geduldet, Aussteiger mit sozialer Isolation emotional unter Druck gesetzt.