19.08.2026
Nigeria: Welle der Gewalt geht weiter: Die Massaker der letzten 2 Wochen
Fulani-Hirten haben seit dem 2. August im Bundesstaat Plateau in Nigeria 16 Christen getötet; hinzu kommen Massaker in zwei weiteren Bundesstaaten, wie aus informierten Kreisen verlautete.
Die bewaffneten Hirten hätten in den vergangenen zwei Wochen fünf überwiegend christlich besiedelte Dörfer im Gebiet Riyom südwestlich von Jos überrannt, hieß es. Am Dienstag (12. August) griffen Hirten gegen 20:30 Uhr das Dorf Kyeng und gegen 21:30 Uhr Gwa-Wereng Rim an und töteten dabei zwei Christen, die als Bulus Mwagwong und Stephen Dachollom Kaze identifiziert wurden, sagte der Anwohner Lyop Gabriel.
„Die Fulani-Hirten drangen in die beiden Ortschaften ein und schossen auf die Bewohner“, berichtete Gabriel gegenüber Christian Daily International-Morning Star News. „In den Dörfern Dorong und Jol steckten die Hirten Häuser in Brand und schossen auf christliche Bewohner, die sie entdeckten. Die Angriffe ereigneten sich, während diese Christen in ihren Häusern schliefen.“
Dalyop Solomon Mwantiri, ein Rechtsanwalt in Jos, bezeichnete die Angriffe als „eine beunruhigende Bedrohung für das Leben, die Existenzgrundlage und die Sicherheit von Christen in ländlichen Gemeinden“. Mwantiri betonte, die nigerianische Regierung müsse ihre Bemühungen verstärken, um weitere Gewalt gegen Christen zu verhindern.
Im überwiegend christlichen Dorf Tanjol im Ryom County töteten mutmaßliche Hirten am 4. August drei Christen, sagte der Anwohner Vincent Caleb Alamba. Er identifizierte die Getöteten als Dachung Danjuma, 51; Victor Danjuma, 37; und Nyam Danjuma, 35.
Am 2. August töteten Viehhirten in den überwiegend christlichen Dörfern Torok, Kum und Wereng Camp im Ryom County zehn Christen, sagte der Gemeindevorsteher Rwang Tengwong. Er identifizierte die Getöteten als Jennifer Yohanna, 3 Monate alt; Peace James, 3; Celina James, 38; Yohanna James, 21; Janet Yohanna (18), Sele James (18), Melody James (16), Reto James (10), Endurance James (8) sowie Daniel Danjuma Chong.
Rechtsanwalt Mwantiri bestätigte diese Angriffe und erklärte, dass auch ein ehemaliger Gemeinderat des Wahlbezirks Rim, David Dachollom Danjuma, im Dorf Torok von „mutmaßlich bewaffneten Fulani zusammen mit angeheuerten Banditen“ getötet worden sei. Fom Dalyop Chollom, ein Mitglied der nigerianischen Nationalversammlung, bestätigte die Ermordung des ehemaligen Gemeinderatsmitglieds.
„Dieser sinnlose Terrorakt ist bösartig, barbarisch und ein Angriff auf den Frieden, die Demokratie und die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens“, erklärte Chollom in einer in Jos veröffentlichten Presseerklärung. „Die gezielte Attacke auf einen Gemeindevorsteher ist ein Versuch, Angst zu schüren und unseren Wahlkreis zu destabilisieren.“ Er forderte die Sicherheitsbehörden auf, die Täter unverzüglich festzunehmen und für Gerechtigkeit zu sorgen.
„Ich fordere unser Volk außerdem auf, wachsam, friedlich und geeint zu bleiben. Wir werden nicht zulassen, dass die Feinde des Friedens uns besiegen“, sagte er. „Ich bete darum, dass Gott der Seele des Verstorbenen ewige Ruhe schenkt und der Familie die Kraft gibt, diesen schmerzhaften Verlust zu ertragen.“
Am 10. August hielten Führungskräfte der Evangelical Church Winning All (ECWA) im Dorf Amaha im Kokona County im Bundesstaat Nasarawa eine Trauerfeier für einen ihrer Jugendleiter ab, der am 6. August bei einem Hinterhalt durch bewaffnete Fulani-Hirten getötet worden war. Filibus Usman Kuje, 48, wurde getötet, als er nach der Teilnahme an einer kirchlichen Veranstaltung auf dem Rückweg in sein Dorf war, wie Kirchenvertreter mitteilten. Er war der Jugendleiter des Bezirkskirchenrats von Ungwan Takwa.
„Ich sende euch diese Nachricht mit schwerem Herzen. Wir wünschen Philibus Usman Kuje eine friedliche Nacht“, teilte Naphtali Anzason, ein Gemeindemitglied, dem Christian Daily International-Morning Star News in einer SMS mit. „Mögen wir in einer besseren Zukunft wieder vereint sein, in der Liebe und Hoffnung für immer triumphieren, und möge dieser Tag bald kommen. Gute Nacht.“
Die Leiter des ECWA-Bezirkskirchenrats von Ungwan Takwa erklärten in einer Stellungnahme: „Wir bitten eindringlich darum, seine unmittelbare Familie, den Bezirkskirchenrat von Ungwan Takwa und die gesamte Kirche in dieser schweren Zeit mit inbrünstigen Gebeten zu unterstützen. Möge der Herr sie trösten und stärken.“ Im Bundesstaat Benue nahmen am 8. August Tausende Christen verschiedener Konfessionen in Efeyi an einer Beerdigung für 15 Christen teil, die am 28. Juli vermutlich von Fulani-Hirten getötet worden waren, wie Anwohner berichteten.
„Es war ein Tag voller Tränen und Trauer in der Gemeinde Efeyi im Bezirk Ugboju des Verwaltungsgebiets Otukpo, als sich die Einwohner versammelten, um 15 Christen zu beerdigen, die bei einem mutmaßlichen bewaffneten Angriff von Hirten getötet worden waren“, berichtete der Einwohner Odeh Great gegenüber Christian Daily International-Morning Star News. „Für die Hinterbliebenen war die Beerdigung ein schmerzhafter Moment, in dem sie den plötzlichen Verlust ihrer Angehörigen verarbeiten mussten. Viele Familienangehörige hatten sichtlich Mühe, ihre Tränen zurückzuhalten, als die Leichen der Opfer zur Beisetzung hergebracht wurden.“
Unter den Getöteten, so sagte er, befanden sich Emmanuel Agwu, Ikpe John, Ameh Fredrick, Owogho Okpe Philip, Onche Abechi, Sunday Alechenu, Isaac’s Elembi, Abogonye Ameh, Emmanuel Ejiga, Success Onche, Apem Samuel, Edache Abechi, Chinedu Ameh und Michael Abalike.
„Bei der Beerdigung lag tiefe Trauer über der Gemeinde, während die Trauergäste für die Seelen der Verstorbenen und Trost für ihre Familien beteten“, sagte er. Der Angriff auf Christen in Efeyi, einer überwiegend christlichen Gemeinde, ereignete sich gegen 5 Uhr morgens, als die Angreifer die Christen töteten, die in ihren Häusern schliefen. Der Anwohner Orga Stephen sagte, der Schmerz der Christen in Efeyi sei der Schmerz aller Christen im Land.
„Dies ist nicht einfach nur eine Beerdigung unter vielen, sondern die Beisetzung von Träumen, Hoffnungen, Familien und Zukunftsperspektiven“, sagte Stephen. „Hinter jedem Sarg steht eine trauernde Mutter, ein Vater, der ein Kind verloren hat, Kinder, die ohne einen Elternteil aufwachsen werden, und Familien, deren Leben nie wieder so sein wird wie zuvor. Die Tränen, die bei dieser Beerdigung vergossen werden, erinnern uns an die dringende Notwendigkeit von dauerhaftem Frieden, Gerechtigkeit und Schutz für christliche Gemeinschaften in Nigeria.“
Aleh Pero, ein weiterer Anwohner der Gegend, beschreibt die Trauerfeier ebenfalls als einen Moment der Trauer für die christliche Gemeinde von Efeyi. „Dies ist ein äußerst dunkler Moment für die christliche Gemeinde von Efeyi, die in tiefer Trauer versunken ist“, sagte Pero. „Diese Christen wurden Opfer eines tödlichen Angriffs durch mutmaßliche Fulani-Hirten. So darf es nicht weitergehen. Christen in Nigeria verdienen es, in Frieden ihren Glauben auszuüben, zu schlafen und ohne Angst zu leben.
„Wir rufen die Regierung, die Sicherheitsbehörden und alle Führungskräfte dazu auf, sich einzusetzen und die christlichen Gemeinschaften in Nigeria zu schützen.“ Laut der Weltverfolgungsliste 2026 von Open Doors wurden vom 1. Oktober 2024 bis zum 30. September 2025 in Nigeria mehr Christen getötet als in jedem anderen Land. Von den 4.849 Christen, die in diesem Zeitraum weltweit wegen ihres Glaubens getötet wurden, waren 3.490 – 72 Prozent – Nigerianer, ein Anstieg gegenüber 3.100 im Vorjahr. Nigeria belegte Platz 7 auf der WWL-Liste der 50 Länder, in denen es am schwierigsten ist, Christ zu sein.
Die vorwiegend muslimischen Fulani, deren Zahl sich in Nigeria und der Sahelzone auf Millionen beläuft, umfassen Hunderte von Clans mit vielen verschiedenen Abstammungslinien, die keine extremistischen Ansichten vertreten; einige Fulani bekennen sich jedoch zu einer radikalislamistischen Ideologie, wie die britische Allparteien-Parlamentsgruppe für internationale Glaubensfreiheit (APPG) in einem Bericht aus dem Jahr 2020 feststellte.
„Sie verfolgen eine Strategie, die mit der von Boko Haram und ISWAP vergleichbar ist, und zeigen eine klare Absicht, Christen und wichtige Symbole christlicher Identität ins Visier zu nehmen“, heißt es in dem APPG-Bericht. Christliche Führer in Nigeria äußerten die Ansicht, dass die Angriffe von Hirten auf christliche Gemeinden im „Middle Belt“ Nigerias durch den Wunsch motiviert seien, das Land der Christen gewaltsam zu übernehmen und den Islam durchzusetzen, da es ihnen aufgrund der Wüstenbildung schwerfällt, ihre Herden zu ernähren.
In der nordzentralen Zone des Landes, wo Christen häufiger anzutreffen sind als im Nordosten und Nordwesten, greifen islamistische Fulani-Milizen laut dem Bericht Bauerngemeinden an und töten dabei viele Hunderte Menschen, vor allem Christen. Dschihadistische Gruppen wie Boko Haram und die Splittergruppe „Islamischer Staat in der Provinz Westafrika“ (ISWAP) sind unter anderem auch in den nördlichen Bundesstaaten des Landes aktiv, wo die Kontrolle der Bundesregierung kaum vorhanden ist und Christen sowie ihre Gemeinden weiterhin Ziel von Überfällen, sexueller Gewalt und Morden an Straßensperren sind, so der Bericht. Entführungen zur Erpressung von Lösegeld haben in den letzten Jahren erheblich zugenommen.
Die Gewalt hat sich auf die südlichen Bundesstaaten ausgeweitet, und im Nordwesten ist eine neue dschihadistische Terrorgruppe namens Lakurawa entstanden, die mit modernem Waffenarsenal ausgestattet ist und eine radikal-islamistische Agenda verfolgt, wie die WWL feststellte. Lakurawa steht in Verbindung mit der expansionistischen Al-Qaida-Rebellengruppe „Jama’a Nusrat ul-Islam wa al-Muslimin“ (JNIM), die ihren Ursprung in Mali hat.
https://morningstarnews.org/2026/08/herdsmen-kill-at-least-31-christians-in-central-nigeria/