20.10.2026

Deutschland: Samaritan’s Purse kritisiert Berliner Erotikmesse „Venus“

Vorstand: Die Messe normalisiert Prostitution und sexuelle Ausbeutung

Berlin (IDEA) – Das christliche Hilfswerk Samaritan’s Purse (Berlin) hat die Erotikmesse „Venus“ sowie die öffentliche Werbung dafür kritisiert. Die Veranstaltung gilt als eine der weltweit größten Messen in der Sexindustrie Europas und findet vom 22. bis 25. Oktober in Berlin statt. Auf der „Venus“ präsentieren sich laut Samaritan’s Purse Unternehmen und Akteure einer Branche, die mit sexuellen Darstellungen, pornografischen Inhalten und erotischer Unterhaltung Geschäfte machen. Die Inszenierung als öffentliches Event trage dazu bei, Prostitution und Pornografie weiter zu normalisieren. Wie zerstörerisch dieses Umfeld sei, erlebe das Werk in der eigenen Arbeit. Mit dem Projekt „Alabaster Jar“ unterstützt die Organisation in Berlin Frauen in der Prostitution. Die Mitarbeiterinnen begegneten in den Clubs und auf den Straßen Berlins weit überwiegend Frauen, deren Lebensgeschichten von wirtschaftlicher Not, Abhängigkeiten, Gewalt und fehlenden Alternativen geprägt seien. „Ihre Erfahrungen zeigen, wie groß die Kluft zwischen der öffentlichen Inszenierung von käuflicher Sexualität als selbstbestimmtem Lifestyle und der Lebenswirklichkeit vieler Frauen ist“, erklärte Marina Nobiling, die zusammen mit Sylke Busenbender den Vorstand des deutschen Zweiges der Organisation bildet. Das Werk beanstandet das Menschenbild, das hinter der Kommerzialisierung von Sexualität stehe. „Eine Gesellschaft kann nicht glaubwürdig die Würde von Frauen verteidigen, ohne sich zugleich kritisch mit der Vermarktung sexueller Verfügbarkeit auseinanderzusetzen“, so Nobiling. Man könne Gewalt gegen Frauen und sexuelle Ausbeutung nicht bekämpfen, wenn andererseits eine Branche gefeiert werde, die mit der Zurschaustellung und sexuellen Vermarktung von Menschen Geld verdiene. Schon die Werbebilder in der Stadt seien nicht folgenlos: „Sie prägen die Vorstellung davon, was Frauen ausmacht und wie Männer ihnen begegnen dürfen.“

„Markt in den Blick nehmen“

„Als Christen glauben wir: Jeder Mensch ist von Gott geschaffen. Seine Würde ist gottgegeben und damit unverfügbar“, so Nobiling. Das sei aber keineswegs allein eine Frage des Glaubens. Auch das gesamte Rechtssystem beruhe auf der Voraussetzung der Unantastbarkeit der Menschenwürde. Löse man sich von diesem Menschenbild, habe dies weitreichende Folgen. Es entstehe eine Zweiklassengesellschaft, in der die Selbstbestimmung der einen geschützt und die Ausbeutung der anderen in Kauf genommen werde. Zugleich sei Deutschland schon jetzt ein Absatzmarkt für internationalen Menschenhandel. „Wer Menschenhandel bekämpfen will, muss den Markt in den Blick nehmen, der die Ausbeutung profitabel macht“, so Nobiling. Veranstaltungen wie die „Venus“ seien ein Motor dieses Marktes.

50 Millionen Menschen in moderner Sklaverei

Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO/Genf), einer UN-Sonderorganisation, leben weltweit rund 50 Millionen Menschen in moderner Sklaverei, darunter mehr als zwölf Millionen Kinder. Samaritan’s Purse engagiert sich gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung. Das Werk organisiert für den 23. Oktober in Berlin einen Gebetsmarsch. Das Hilfswerk ist vor allem durch die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ bekannt. Internationaler Präsident von Samaritan’s Purse ist der Evangelist Franklin Graham (Charlotte/US-Bundesstaat North Carolina).