20.10.2026
Kenia: Sektenführer Mackenzie und 28 weitere Täter schuldig gesprochen
Gericht verurteilt Verantwortliche für den Tod von 190 Kindern
Mombasa (IDEA) – In Kenia hat ein Gericht den Sektenprediger Paul Nthenge Mackenzie und 28 Mitangeklagte in 191 Fällen wegen Mordes schuldig gesprochen. Das berichtete der kenianische Staatssender KBC (Kenya Broadcasting Corporation). Richterin Diana Kavedza verkündete das Urteil am 19. Oktober in Mombasa. Sie wies das Argument der Verteidigung zurück, die Opfer hätten sich freiwillig zu Tode gefastet. Unter den 191 Getöteten waren 190 Kinder. Zum Hintergrund: Im April 2023 waren in Shakahola im Südosten des Landes zahlreiche Leichen entdeckt worden. Bisher wurden über 400 Todesopfer identifiziert. Wie die Zeitung „Mount Kenya Times“ berichtet, hat der Fall eine Debatte über eine strengere Kontrolle religiöser Gemeinschaften in dem ostafrikanischen Land ausgelöst. Es sei insbesondere fraglich, wieso Mackenzie erst 2023 angeklagt worden sei, obwohl dessen Aktivitäten bereits 2017 die Aufmerksamkeit der Polizei erregt hätten. Außerdem gebe es noch viele weitere Opfer: Erst im Januar 2026 sei Mackenzie wegen 52 weiterer Leichen angeklagt worden, die in einem nahegelegenen Dorf gefunden worden waren. Ein Angehöriger der Opfer, der acht Familienangehörige, darunter eine Tochter und zwei Enkelkinder, verloren hat, sagte vor der Sitzung: „Wir erwarten ein Urteil, das der gesamten Öffentlichkeit eine Lehre sein wird, damit so etwas nie wieder geschieht.“
Kinder wurden dem Hungertod ausgesetzt
Laut KBC stellte das Gericht fest, dass die Todesfälle aus einem organisierten System resultierten, in dem religiöse Lehren und eine strenge Hierarchie dazu dienten, tödliches Fasten unter Mackenzies Anhängern anzuordnen und durchzusetzen. Richterin Kavedza befand, dass Mackenzies „Good News International Church“ als Sekte operierte. Er habe das bevorstehende Ende der Welt gepredigt, moderne Medizin und formale Bildung abgelehnt, Anhänger von der Außenwelt isoliert und Fasten als Mittel propagiert, in den Himmel zu gelangen. Die Anklage legte Beweise dafür vor, dass Kinder gefangen gehalten, ihnen Nahrung verweigert und sie bestraft worden seien, wenn sie versucht hätten zu essen oder zu fliehen. Zeugen beschrieben, wie sie das Leiden und Sterben von Geschwistern und anderen Minderjährigen mit ansehen mussten. Die Strafmaßverkündung ist der „Mount Kenya Times“ zufolge für den 6. November angesetzt. Theoretisch droht den Angeklagten die Todesstrafe. Da ihr Vollzug allerdings ausgesetzt ist, könnte es auf eine lebenslängliche Haftstrafe hinauslaufen. Mackenzies Verteidiger Lawrence Obonyo kündigte bereits an, Berufung einzulegen. Rund 86 Prozent der etwa 58 Millionen Einwohner Kenias sind Christen, elf Prozent Muslime.