23.10.2026

Ägypten: Sechs junge Christen wegen Blasphemie-Vorwurf in Haft

Sie hatten eine bekannte Komödie nachgespielt und als Video gepostet

Wien/Taha al-Aamida (IDEA) – In Ägypten sind sechs junge Christen wegen angeblicher Blasphemie verhaftet worden. Sie hatten ein Video auf der Plattform TikTok geteilt, das die Behörden als beleidigend für den Islam einstufen. Darauf hat die christliche Menschenrechtsorganisation Alliance Defending Freedom International hingewiesen und ihre Freilassung gefordert. In dem Video hätten die jungen Männer im Alter zwischen 17 und 23 Jahren eine Szene einer ägyptischen Filmkomödie nachgespielt, die 2018 in die Kinos des Landes kam. Sie zeige Strafgefangene, die sich auf ein Gebet vorbereiteten, aber die dafür nötigen Koranverse nicht kennen. Das Video erschien am 4. Oktober auf TikTok. Darunter sammelten sich laut Alliance Defending Freedom Kommentare, die zu Gewalt gegen die jungen Männer und ihre Familien aufriefen. Bewohner ihres Dorfes im Bezirk Samalout in der Provinz Minya hätten die sechs den Behörden gemeldet. Am 6. Oktober seien sie verhört worden. Man sei davon ausgegangen, dass sie freikämen, sobald sich die Spannungen im Dorf gelegt hätten. Stattdessen seien sie weiterhin in Haft.

Menschenrechtler: Fall ist Teil einer umfassenderen Verfolgung

Fälle wie dieser seien in Ägypten „tragischerweise weit verbreitet“, erklärte die Vizepräsidentin für internationale Interessenvertretung der Menschenrechtsorganisation, Kelsey Zorzi (Washington). Christen seien dort Drohungen, Diskriminierung und Haftstrafen ausgesetzt. Ihre Äußerungen gälten nur deshalb als problematisch, weil sie nicht der Mehrheitsreligion angehörten. Die jungen Männer hätten lediglich ein unbeschwertes Video mit Tonaufnahmen aus einem populären Film geteilt, wie es viele andere TikTok-Nutzer ebenfalls getan hätten. „Es gibt keinen Grund, sie anzuklagen oder zu inhaftieren“, so Zorzi. Christen sollten niemals eine Strafe fürchten müssen, weil sie einen Beitrag geteilt hätten. Laut Alliance Defending Freedom ist der Fall Teil einer umfassenderen Verfolgung religiöser Minderheiten in Ägypten. Allein im vergangenen Jahr seien zahlreiche Angehörige religiöser Minderheiten strafrechtlich verfolgt und inhaftiert worden, weil sie angeblich blasphemische Inhalte in Sozialen Medien veröffentlicht hätten. Dies geschehe im Rahmen eines breiteren Vorgehens gegen Online-Inhalte, die als Beleidigung des Islam aufgefasst würden. Als Beispiel nannte die Organisation unter anderem den YouTuber Augustinos Samaan. Er wurde zu fünf Jahren Haft mit Zwangsarbeit verurteilt, weil er in Videos den christlichen Glauben erklärt und verteidigt hatte. Rund 90 Prozent der etwa 118 Millionen Einwohner Ägyptens sind Muslime. Die Kopten bilden die größte christliche Gemeinschaft des Landes und gelten als eine der ältesten Kirchen weltweit. Ihre Zahl wird auf rund zehn Millionen geschätzt.