24.08.2026
Deutschland: Hinweisschild auf muslimisches Freitagsgebet erneut beschmiert
Penzberg: Islamische Gemeinde verurteilt die bereits dritte Sachbeschädigung
Penzberg (IDEA) – In der oberbayerischen Stadt Penzberg sind erneut Hinweisschilder auf das muslimische Freitagsgebet beschädigt worden. Es handelt sich bereits um den dritten Vorfall dieser Art innerhalb weniger Wochen, sagte ein Pressesprecher des zuständigen Polizeipräsidiums Oberbayern Süd der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA. Die drei Hinweisschilder im Stadtgebiet Penzberg seien in der Nacht vom 20. auf den 21. August mit heller Farbe übersprüht worden. Die Polizei ermittelt und bittet um Hinweise. Die Islamische Gemeinde Penzberg verurteilte die Taten in einer Pressemitteilung. Man bedauere die erneute Beschädigung und erwarte, dass „geeignete Maßnahmen ergriffen und die Verantwortlichen für diese kriminellen Handlungen zur Rechenschaft gezogen werden“. Penzberg stehe für ein friedliches und respektvolles Miteinander. Das lasse man sich durch „solche Taten“ nicht nehmen. Allen „hasserfüllten und kriminell Handelnden“ sage man: „Lassen Sie die Penzberger Stadtgesellschaft in Ruhe!“
Religionsvertreter brachten Schilder gemeinsam an
An den Ortseingängen von Penzberg weisen seit dem 21. Juli neue Schilder auf die Gottesdienstzeiten der Kirchen und das muslimische Freitagsgebet hin. Angebracht wurden sie gemeinsam von Bürgermeister Thomas Kopf („Penzberg Miteinander“), dem katholischen Pfarrer Bernhard Holz, seinem evangelischen Kollegen Julian Lademann und dem Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg, Benjamin Idriz. Bereits in der Nacht auf den 25. Juli wurde ein Schild mit schwarzer Farbe besprüht. Am 31. Juli stellten Beamte erneut Schmierschriften an einem Schild fest. Idriz hatte sich nach dem ersten Vorfall auf Instagram betroffen gezeigt. Die Schilder seien „ein starkes Zeichen der gegenseitigen Wertschätzung, der Gleichbehandlung und der gelebten Religionsfreiheit“. Wer Hass wirklich bekämpfen wolle, dürfe nicht wegsehen, wenn sich Hass gegen Muslime richte.
Zeitweise unter Beobachtung des Verfassungsschutzes
Zum Hintergrund: Wie die „Die Welt“ berichtete, erwähnte das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz die Islamische Gemeinde Penzberg von 2007 bis 2010 in seinen jährlichen Berichten. 2009 hieß es dort demnach, Verbindungen zum Islamismus seien „durch eine Vielzahl schriftlicher Dokumente belegt“. 2025 hatte Idriz anlässlich des zweiten Jahrestags des Hamas-Überfalls auf Israel am 7. Oktober 2023 eine öffentliche Distanzierung jüdischer Gemeinden vom Vorgehen der israelischen Regierung angemahnt. Ein solches Signal wäre nach Einschätzung von Idriz „heilsam“ gewesen, wie er auf Facebook schrieb. Er bezeichnete den 7. Oktober zwar als „größte jüdische Tragödie seit der Shoah“, gleichzeitig kritisierte er jedoch, die stillschweigende oder offene Zustimmung mancher Gemeinden zu den Handlungen der israelischen Regierung in Gaza und im Westjordanland sei „besorgniserregend“. Die muslimischen Imame Münchens hätten sich 2015 von dem Vorgehen des sogenannten „Islamischen Staates“ distanziert, führte er in der Erklärung an.