26.10.2026

Jordanien: Nach Anschlag - Drei Verdächtige festgenommen

WEA berichtet von beispielloser Solidarität bei Beisetzung der Opfer

Amman (IDEA) – Nach dem Terroranschlag auf eine christliche Trauerfeier im jordanischen Hammoud (Provinz Karak) hat die Polizei drei mutmaßliche Täter festgenommen. Das berichtet die Tageszeitung „Jordan Times“ am 26. Oktober unter Berufung auf die jordanische Direktion für öffentliche Sicherheit (PSD). Bei dem Angriff am 23. Oktober hatten Bewaffnete vor der griechisch-orthodoxen Kirche des Dorfes das Feuer auf die Trauergäste eröffnet. Mindestens neun Menschen wurden getötet und mehr als 40 verletzt. Jordaniens Innenminister Mazen al-Faraya sprach von einem „Terroranschlag einer Gruppe von Extremisten“. König Abdullah II., das griechisch-orthodoxe Patriarchat von Jerusalem, der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, Vertreter islamischer Organisationen sowie der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) verurteilten den Anschlag scharf.

Festnahme nach Schusswechsel

Spezialeinheiten spürten die drei Verdächtigen laut PSD in den frühen Morgenstunden des 26. Oktober in einem verlassenen Haus im Dorf Al-Jadeeda unweit von Hammoud auf. Die Männer hätten sich dort verschanzt und das Feuer auf die Sicherheitskräfte eröffnet. Später konnten sie verletzt festgenommen werden. Bei der Durchsuchung des Verstecks seien Schusswaffen und Munition gefunden worden. Al-Faraya erklärte dazu auf der Plattform X, die Behörden prüften die Umstände, die junge Menschen zum Extremismus geführt hätten, und würden alle zur Verantwortung ziehen, deren Beteiligung nachgewiesen werde. „Wir werden diese Tragödie zum Anlass nehmen, Maßnahmen zum Schutz des Lebens der Bürger zu ergreifen.“ Regierungssprecher Mohammad Momani erklärte, Jordanien habe „das Blut seiner Märtyrer gerächt“. Terrorismus habe im Land keinen Platz.

WEA-Vertreter: Trauerfeier, „wie ich sie noch nie gesehen habe“

Am 25. Oktober fand die Beisetzung der getöteten Christen in Hammoud statt. Gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA berichtete der Pressesprecher der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA), Daoud Kuttab (Amman), von einer außergewöhnlichen Anteilnahme: „Wir haben an einer Trauerfeier teilgenommen, wie ich sie in diesem Teil der Welt noch nie erlebt habe.“ Aus allen Bevölkerungsschichten seien Menschen mit Autos und Bussen angereist. Geschätzt seien ebenso viele Muslime wie Christen gekommen. So hätten etwa mehrere muslimische Kollegen eines bei dem Anschlag getöteten christlichen Dozenten einen Kranz der Haschemitischen Universität niedergelegt. Die Toten seien in die jordanische Nationalflagge gehüllt, mit militärischen Ehren beigesetzt und als Märtyrer bezeichnet worden. Unter den rund 5.000 Trauergästen in dem kleinen christlichen Dorf seien König Abdullah II., die Königin Rania, der Kronprinz Hussein, der Premierminister Jafar Hassan sowie die Vorsitzenden beider Parlamentskammern gewesen. In vielen unterschiedlichen Erklärungen – darunter von islamischen Religionsvertretern – sei einhellig Unterstützung bekundet und das friedliche Zusammenleben von Christen und Muslimen in Jordanien betont worden. Der König hatte die Täter als „Kawaridsch“ bezeichnet – ein Begriff, mit dem Häretiker außerhalb des islamischen Glaubens gemeint sind.

Stimmung unter Christen: Zorn und Entschlossenheit

Die Stimmung unter den Christen in Jordanien sei eine Mischung aus Zorn und Entschlossenheit, sich nicht einschüchtern zu lassen, sagte Kuttab. Die große Reaktion der gesamten jordanischen Nation – vom König bis hin zu den Menschen aller gesellschaftlichen Schichten und Religionen – habe der kleinen, aber authentischen christlichen Gemeinschaft ein starkes Gefühl der Unterstützung vermittelt. Einige Kirchen hätten ihre regulären Gottesdienste fortgesetzt, andere seien für einige Tage geschlossen geblieben. Der jordanische Baptistenbund, die größte evangelikale Denomination im Land, habe als Vorsichtsmaßnahme beschlossen, an diesem Wochenende keine Gottesdienste abzuhalten. Die Menschen wollten sicher sein, dass die Täter und ihre Hintermänner festgenommen würden und die Gerichte sich mit ihnen befassten. Es gebe Forderungen nach der Todesstrafe, aber auch Rufe nach einer Aufarbeitung des Sicherheitsversagens, das diese Tragödie ermöglicht habe.

Christen als wichtige Stütze Jordaniens

Mit Blick auf die Lage der Christen in der Region erklärte Kuttab, dass in den Palästinensischen Gebieten, Syrien, Irak und dem Libanon viele Christen aufgrund der instabilen politischen Lage ausgewandert seien. Jordanien sei das einzige Land der Region, das keine nennenswerte Auswanderung erlebt habe. Jordanische Christen seien dem König und der Regierung gegenüber sehr loyal. Sie trügen schätzungsweise 35 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, obwohl sie weniger als zwei Prozent der Bevölkerung ausmachten. Die meisten jordanischen Christen seien Akademiker. Von den 11,5 Millionen Einwohnern Jordaniens bekennen sich 95 Prozent zum Islam, 1,5 Prozent sind Christen unterschiedlicher Konfessionen. Die WEA mit Sitz in Deerfield (US-Bundesstaat Illinois) repräsentiert rund 600 Millionen Evangelikale.