26.10.2026

Nigeria: 14 Jahre Haft für Christin wegen Weitergabe des Glaubens

In dem Bundesstaat im Nordosten des Landes gilt die Scharia

Maiduguri (IDEA) – Ein Gericht in dem islamisch dominierten Bundesstaat Borno im Nordosten Nigerias hat eine christliche Mutter zu 14 Jahren Haft verurteilt, nachdem sie einer muslimischen Frau von ihrem Glauben erzählt hatte. Das berichtet die christliche Organisation „International Christian Concern“ (ICC/Washington). Bei der Verurteilten handelt es sich um Liyatu Samuel Dawa. Die muslimische Frau, mit der Dawa gesprochen hatte, sei anschließend zum Christentum übergetreten. Vor Gericht sagte sie aus, sie habe sich aus freien Stücken für das Christentum entschieden und sei nicht zur Konversion gezwungen worden. Dawa soll vor Gericht ausgesagt haben, sie habe die Frau lediglich beraten. Vor der Urteilsverkündung habe sie um Milde gebeten. In Borno gilt die islamische Gesetzgebung (Scharia).

Ehemann in Lebensgefahr

Dawas Ehemann, der Evangelist Amos Suleman, hat sich eigenen Angaben zufolge wegen Morddrohungen versteckt. Zuvor sei er mehrere Monate in Haft gewesen und erst auf Kaution freigelassen worden. Nach seiner Freilassung hätten Extremisten begonnen, ihn zu bedrohen. Die Drohungen konnten laut ICC bislang nicht bestätigt werden. Die Region Gwoza im Bundesstaat Borno nahe der Grenze zu Kamerun gehört zu den Gebieten, die seit Jahren unter der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram und ihre Abspaltung „Islamic State – West Africa Province“ („Islamischer Staat in der Provinz Westafrika“) leiden. Angriffe auf Zivilisten, Sicherheitskräfte und ganze Gemeinden haben laut ICC in Borno zu Vertreibungen und zur Zerstörung religiösen und gesellschaftlichen Lebens geführt.

Fragen zur Religionsfreiheit

Das Urteil wirft nach Einschätzung von ICC Fragen zum Verhältnis zwischen Anklage, Beweislage und den verfassungsmäßigen Garantien der Religionsfreiheit in Nigeria auf. Paragraf 38 Absatz 1 der nigerianischen Verfassung von 1999 gewährleistet jedem Menschen Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit. Dazu gehört ausdrücklich das Recht, die Religion zu wechseln und den eigenen Glauben durch Lehre, Gottesdienst, Praxis und Beachtung zu bekunden. Paragraf 42 verbietet zudem die Diskriminierung aufgrund der Religion. Für eine vollständige rechtliche Bewertung des Falls seien die Anklageschrift, das vollständige Urteil und die vom Gericht herangezogenen Beweise erforderlich, so ICC. Nigeria gehört laut der christlichen Menschenrechtsorganisation Alliance Defending Freedom (ADF/Scottsdale, US-Bundesstaat Arizona) zu den für Christen gefährlichsten Ländern der Welt. Nach Angaben des christlichen Hilfswerks Open Doors (Kelkheim bei Frankfurt am Main) werden dort jedes Jahr mehr Christen getötet als in jedem anderen Land. Auf dem Weltverfolgungsindex belegt der Staat Rang sieben der Länder, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Von den über 200 Millionen Einwohnern Nigerias sind jeweils knapp die Hälfte der Bevölkerung Christen und Muslime.