27.08.2026

Nigeria: Bundesregierung widerspricht Völkermord-Vorwurf

Antwort auf AfD-Anfrage: Christen und Muslime litten gleichermaßen unter Gewalt

Berlin (IDEA) – Nach Auffassung der Bundesregierung findet in Nigeria kein Genozid an der christlichen Bevölkerung statt. Das geht aus ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion hervor. Die Einschätzung der in der Anfrage erwähnten Nichtregierungsorganisation Genocide Watch sei ihr bekannt, sie teile diese jedoch nicht. In den Vorbemerkungen verweisen die Fragesteller zudem auf das christliche Hilfswerk Open Doors. Diese stufe Nigeria als eines der Länder mit der weltweit höchsten Gewalt gegen Christen ein. Demnach seien von Oktober 2024 bis September 2025 insgesamt 3.490 Christen getötet worden. Auch die Bundesregierung schreibt in ihrer Antwort, sie kenne den Weltverfolgungsindex der Nichtregierungsorganisation. Eine Einstufung Nigerias als eines der weltweit gefährlichsten Länder für Christen durch eine internationale Organisation sei ihr jedoch nicht bekannt. In einer den Antworten vorangestellten Vorbemerkung bezieht sie sich auf Informationen der Vereinten Nationen. Die Sicherheitslage sei „in weiten Teilen des Landes schlecht“. Die UNO beschreibe die Lage jedoch „überwiegend nicht als Religionskonflikt, sondern als ein Zusammenwirken verschiedener Faktoren und Konfliktlinien“. Dazu gehörten Terrorismus, Banditentum, ethnische Spannungen sowie Ressourcen- und Landkonflikte. Christen, Muslime und Angehörige anderer Religionen litten „massiv unter Gewalt und Terrorismus“. Auch gezielte Angriffe auf Kirchen, kirchliche Einrichtungen und Geistliche fänden statt.

Bundesregierung verweist auf Schutzmaßnahmen Nigerias

Bilateral und im Rahmen internationaler Organisationen setze sich die Bundesregierung für den Schutz religiöser Minderheiten und die Religionsfreiheit ein. Humanitäre Hilfe komme „grundsätzlich allen schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppen zugute, einschließlich Angehöriger christlicher Gemeinden“. Die nigerianische Regierung habe sich „glaubhaft zum friedlichen Zusammenleben der Religionen in Nigeria bekannt“. Sie nehme Gewaltvorfälle „sehr ernst“ und ergreife Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheitslage. Dazu zählten verstärkte Bemühungen zur Befreiung entführter Nigerianer sowie angekündigte materielle und personelle Verstärkungen von Armee und Polizei. Damit solle auch in entlegenen Regionen eine stärkere Präsenz der Sicherheitskräfte ermöglicht werden.

Mehrheit der Asylbewerber aus Nigeria sind Christen

Aus der Antwort geht zudem hervor, dass die Zahl der Asylanträge nigerianischer Staatsangehöriger in Deutschland seit dem Höchststand von 11.073 Anträgen im Jahr 2018 nahezu kontinuierlich zurückgegangen ist. Im Jahr 2025 wurden 1.716 Anträge gestellt, im ersten Halbjahr 2026 waren es 665. Unter den Asylbewerbern stellen Christen nach eigenen Angaben die deutliche Mehrheit: 2025 bezeichneten sich 1.382 der 1.716 Antragsteller als Christen und 185 als Muslime. Auch in den Vorjahren lag der Anteil der Christen regelmäßig weit über dem der Muslime. Die Angaben zur Religionszugehörigkeit beruhen auf freiwilligen Angaben im Asylverfahren.