27.10.2026

Deutschland: Fünf kirchliche Gebäude in einer Woche beschädigt

Leipzig: Auch die freikirchliche Zeal Church ist betroffen

Leipzig (IDEA) – Unbekannte haben am 25. Oktober die Eingangstür der freikirchlichen Zeal Church in Leipzig beschädigt. Das teilte Pastor René Wagner (Leipzig) der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA mit. Eine Mitarbeiterin der Kirche habe ihn am Sonntagmorgen gegen 6.40 Uhr angerufen und über den Schaden informiert. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Beschädigt wurden eine Scheibe und der Türrahmen des Gemeindegebäudes. Vor der Tür lagen drei Pflastersteine. Die Polizei bestätigte gegenüber Wagner, dass diese im Zusammenhang mit der Tat stehen. Den Schaden bezifferte Wagner auf einen vierstelligen Betrag. Nach Angaben der Polizei Leipzig kam es zwischen dem 21. und 25. Oktober im Stadtgebiet zu insgesamt fünf Sachbeschädigungen an Kirchen. Unbekannte Täter beschädigten mit bislang unbekannten Gegenständen Fensterscheiben, Türen und teilweise Fassaden der betroffenen Freikirchen in der Torgauer Straße, der Georg-Schwarz-Straße in Leipzig-Leutzsch, der Karlsruher Straße in Grünau-Mitte sowie in der Hans-Poeche-Straße und der Jacobstraße. Die Ermittlungen wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung wurden in allen fünf Fällen aufgenommen. Auf Nachfrage von IDEA erklärte die Polizei, sie könne einen linksextremistischen Hintergrund weder bestätigen noch ausschließen.

„Neue Dimension“ nach 29 Anschlägen auf das Café

Im Gottesdienst am 25. Oktober ordnete Wagner den Vorfall vor seiner Gemeinde ein. „Als würden 29 Anschläge auf unser mittlerweile geschlossenes Café nicht reichen, geht es jetzt weiter an unseren Gemeindegebäuden in Leipzig“, sagte er. Dies nehme „eine komplett neue Dimension an“. Hintergrund ist eine seit rund drei Jahren andauernde Serie von Angriffen auf das von der Zeal Church betriebene Café „Stay“ im Stadtteil Reudnitz, das inzwischen geschlossen wurde. In einem Bekennerschreiben auf der linksextremistischen Plattform „Indymedia“ hatten sich autonome Aktivisten im Juli zu einem der Angriffe bekannt und das Café als „queerfeindlich“ bezeichnet. Wagner rief im Gottesdienst zum Gebet für Europa, die Politik, die Polizei und die jüdischen Gemeinden auf. Er verwies auf den jüngsten Angriff auf eine Synagoge in Paris. „Ich habe kein Problem mit Demonstrationen“, betonte er. Diese seien ein wichtiges Recht in einer Demokratie. Was jedoch in den letzten Wochen in Frankreich, Spanien und Italien geschehen sei, habe „nichts mit Demonstrationen zu tun“, sondern seien „Gewalttaten“ und „Zerstörungswut“, die „die Ränder radikalisiert“ – „ob links, ob rechts“. Zudem wandte er sich gegen den Vorwurf, die Gemeinde baue selbst ein Feindbild auf: „Wir bauen hier kein Feindbild auf. Wir sind zum Feindbild geworden.“ Er werde als Pastor und Christ nicht schweigen, wo Ungerechtigkeit geschehe. Zugleich kündigte er an, weiter mit Vergebung zu reagieren: „Wir gehen immer in Vergebung. Wir werden immer friedlich reagieren. Aber wir verteidigen auch, was uns anvertraut ist.“

Sorge vor Ausschreitungen am 31. Oktober

Wagner äußerte sich gegenüber IDEA besorgt über mögliche Ausschreitungen im Zuge der angekündigten Proteste in Deutschland am 31. Oktober. Die Räume der Zeal Church befänden sich unweit des Augustusplatzes, wo der Hauptversammlungsort in Leipzig geplant sei. Nach Einschätzung Wagners wird die Lage in Leipzig „zu 100 Prozent“ eskalieren: „Keine Demo, in der der schwarze Block und die linksautonome Szene demonstriert hat, die nicht eskaliert sind.“ Die sächsische Polizei sei seit Jahren unterbesetzt. Deutschlandweit seien derzeit 26 Städte mit angemeldeten Demonstrationen betroffen.

Gemeinde reagiert mit erhöhter Wachsamkeit

Die Gemeindeleitung habe einzelne Mitglieder mit Polizei- oder Sicherheitshintergrund für die Sonntage sensibilisiert, so Wagner. Einen formellen Sicherheitsdienst gebe es bislang nicht. Während des Gottesdienstes erfuhr Wagner auch von weiteren Sachbeschädigungen an anderen Kirchen in der Stadt. Wagner wollte sich im Gespräch mit IDEA nicht auf einen bestimmten Täterkreis festlegen: „Ich kann definitiv nicht sagen, dass es ein linker Anschlag war.“ Ein Bekennerschreiben liege bislang nicht vor. Der Vermieter prüfe, ob Kameraaufnahmen eines Parkleitsystems Hinweise liefern könnten. Die Zeal Church gehört zum Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP).