28.08.2026
Australien: Empörung über Aufnahmen zu Erotikplattform in Kathedrale
Eine „OnlyFans“-Darstellerin ließ sich dort vor laufenden Kameras taufen
Brisbane (IDEA) – In Australien haben Dreharbeiten für eine umstrittene Reality-Serie über Darstellerinnen einer Erotikplattform in der anglikanischen Kirche für Empörung gesorgt. Das berichtete US-Nachrichtenportal „The Christian Post“. Die Aufnahmen fanden in der Sankt-Johannes-Kathedrale in Brisbane statt. Dabei sei die britische Erotikdarstellerin Lily Phillips getauft worden. Der beteiligte Dekan Peter Catt habe sie gefragt: „Wendest du dich Christus zu? Sagst du dem Bösen ab? Bereust du deine Sünden?“ – was sie bejahte. Die 24-jährige Phillips hatte 2024 für Schlagzeilen gesorgt, weil sie nach eigenen Angaben binnen 24 Stunden mit 101 Männern Geschlechtsverkehr hatte. Die Sendung, in der ihre Taufe zu sehen ist, soll ihre Rückkehr zum Glauben ihrer Kindheit dokumentieren. Sie ist Teil der australischen Serie „Turned On: Dirty Sexy Money“ (Eingeschaltet: Schmutziges sexy Geld). Sie handelt von Frauen, die über die Erotikplattform „OnlyFans“ zu Vermögen gekommen sind.
Skepsis über Aufrichtigkeit der Taufe
In der Taufszene ist zudem mindestens ein Kind zu sehen. Nach Berichten des Portals „Anglican Ink“ äußerten sich zwei ebenfalls in der Folge auftretende Protagonistinnen skeptisch über die Aufrichtigkeit der Taufe. Eine von ihnen sagte: „Sie hat das Recht, ihre Religion auszuüben. Aber wir glauben ihr nicht.“ Phillips selbst hatte im Januar in einem Interview mit „US Weekly“ erklärt, sie habe sich erneut taufen lassen, weil sie „das Bedürfnis verspürt habe, wieder mit Gott zu sprechen“, plane jedoch nicht, die Sexindustrie zu verlassen.
Erzbischof: Schamloser Versuch, die Pornoindustrie zu legitimieren
Der Erzbischof von Brisbane und Metropolit der Provinz Queensland, Jeremy Greaves, zeigte sich entsetzt über den Videodreh. In einem Brief an die Geistlichen und Mitglieder seiner Diözese entschuldigte er sich im Namen des beteiligten Dekans, der sich im Urlaub befinden soll. „Ich möchte mich für die Bestürzung und den Ärger entschuldigen, die durch die Entscheidung des Dekans entstanden sind, die Sankt-Johannes-Kathedrale als Kulisse für eine Reality-TV-Sendung zur Verfügung zu stellen.“ Er sei „schockiert über Inhalt, Charakter und Absicht des Programms, das nicht mit dem Glauben und den Werten dieser Diözese übereinstimmt“. Der Erzbischof bezeichnete die Serie als „nichts weiter als auf Klicks ausgerichteter Reality-TV-Inhalt, der schamlos versucht, die Pornoindustrie zu legitimieren“. „Ich verurteile uneingeschränkt jeden Versuch, eine Industrie zu legitimieren, die Frauen und Mädchen ausbeutet und zu entwürdigenden sowie ungesunden Botschaften über Sex und Sexualität beiträgt“, betonte er.
Diözese fühlt sich getäuscht
Nach Angaben von Greaves habe die Diözese die Produzenten der Serie kontaktiert und die sofortige Entfernung aller Bild- und Tonaufnahmen gefordert – mit Ausnahme derjenigen, die Dekan Catt selbst zeigen. Besonders die Aufnahmen von Kindern in der Kathedrale seien „völlig inakzeptabel“. Es gebe Hinweise darauf, dass die Produzenten die Mitarbeiter der Kathedrale in dem Glauben gelassen hätten, es handle sich um eine Dokumentation, die „Glauben, Absicht und die Komplexität des Lebens“ anhand der Erfahrung einer Person erkunden solle, die zuvor aufgrund früherer Tätigkeit in der Sexindustrie aus Glaubensgemeinschaften ausgeschlossen worden war. Die Produktionsfirma widersprach dieser Darstellung gegenüber dem „New Zealand Herald“ und erklärte, der Dekan habe der Aufnahme zugestimmt. Greaves kündigte eine sofortige Überprüfung der Richtlinien und Verfahren an, um künftig eine sorgfältige Prüfung sicherzustellen, bevor Dritten Zugang zu kirchlichen Räumen gewährt werde.
Kritik von Autorin: Kirche als Requisit
Die christliche Aktivistin und Autorin Melinda Tankard Reist (Canberra) kritisierte die Folge scharf. „Die Kirche wurde zu einem Requisit in einer Mainstream-Serie für Klicks, sexuelle Anwerbung und mehr zahlende Abonnenten“, schrieb sie auf Facebook. Die Serie verkaufe eine falsche Botschaft von Selbstermächtigung durch Selbstvermarktung und sexuelle Performance. Mädchen würden darauf konditioniert, die Produktion expliziter kostenpflichtiger Inhalte als erstrebenswert anzusehen. Dazu berichtet sie: „Schülerinnen erzählen mir, sie müssten weder die Schule abschließen noch einen ‚richtigen Job‘ bekommen: Ihre nackten Körper seien ihre Geldautomaten.“ Tankard Reist wies zudem darauf hin, dass Phillips – kaum dass „der Kommunionswein auf ihren Lippen getrocknet“ gewesen sei – in der Folge vor einer Baustelle versucht habe, Handwerker für künftige Drehs anzuwerben.