28.08.2026
Nigeria: Journalist nach Bericht über Christenverfolgung freigesprochen
Der Rechtsstreit wegen des Vorwurfs der Verleumdung dauerte fünf Jahre
Kaduna/Wien (IDEA) – Ein nigerianisches Bundesgericht hat den christlichen Journalisten Luka Binniyat vom Vorwurf der strafbaren Verleumdung freigesprochen. Damit endet ein fünfjähriger Rechtsstreit um seine Berichterstattung über die Verfolgung von Christen im Bundesstaat Kaduna. Das teilte die christliche Menschenrechtsorganisation Alliance Defending Freedom (ADF) International mit, die den in Kaduna ansässigen Reporter juristisch unterstützt hatte. Das Gericht stellte in seiner Ende Mai 2026 veröffentlichten Entscheidung fest, es gebe keine stichhaltigen Beweise für den Verleumdungsvorwurf. Die vorgelegten Beweismittel seien „offenkundig unzuverlässig“ gewesen. Die Entscheidung erfolgte nach einem Antrag auf Einstellung des Verfahrens. Binniyat gilt als eine der bekanntesten Stimmen, die über die Verfolgung von Christen im Süden Kadunas berichten.
Verhaftung nach Artikel über „Genozid“-Vorwurf
Binniyat hatte im Oktober 2021 einen Artikel für die in den USA ansässige Zeitung „Epoch Times“ verfasst. Darin zitierte er einen nigerianischen Abgeordneten, der einem anderen Parlamentarier vorwarf, einen „Genozid“ an Christen in Kaduna zu „vertuschen“. Nach der Veröffentlichung wurde Binniyat verhaftet und angeklagt. Erst im Februar 2022 kam er wieder frei und kämpfte danach jahrelang gegen die Anklage. Es sei „beunruhigend“, dass er strafrechtlich verfolgt worden sei, weil er als Journalist Fakten berichtet habe, erklärte Binniyat gegenüber ADF. Seine Erfahrung zeige, „dass in Nigeria noch viel zu tun ist, um die Meinungsfreiheit zu schützen, insbesondere wenn es darum geht, sich zur Religionsfreiheit zu äußern und ehrlich darüber zu berichten, was mit Christen im Land wirklich geschieht“.
Anwalt spricht von „Weckruf“
Der leitende Anwalt für globale Religionsfreiheit bei ADF International, Sean Nelson (Washington, D. C.), bezeichnete das Urteil als „Weckruf“. „Genaue Berichterstattung über Gräueltaten ist kein Verbrechen, und Journalisten, die über religiöse Verfolgung berichten, verdienen Schutz, keine Strafverfolgung“, sagte er. Nigeria gehört laut ADF International zu den gefährlichsten Ländern der Welt für Christen. Nach Angaben des christlichen Hilfswerks Open Doors werden dort jedes Jahr mehr Christen getötet als in jedem anderen Land. Auf dem Weltverfolgungsindex belegt der Staat Rang sieben der Länder, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Von den über 200 Millionen Einwohnern Nigerias sind etwa die Hälfte Christen.