28.09.2026

Indien: Gottesdienstbesuch für Nichtchristen „auf eigenes Risiko“

Hintergrund ist ein verschärftes Anti-Konversionsgesetz

Dhamtari (IDEA) –  Mehrere Kirchen im zentralindischen Bundesstaat Chhattisgarh beschränken den Zutritt zu ihren Gottesdiensten auf Christen und warnen Nicht-Christen vor der Teilnahme auf „eigene Gefahr“. Das berichtet der katholische Nachrichtendienst UCA News. Kirchenvertreter erklärten, die Maßnahme sei eine Vorsichtsreaktion auf zunehmende Spannungen um angebliche Konversionen und Störungen von Gebetsversammlungen. Die Tafeln stehen in Gemeinden im Distrikt Dhamtari. Vor der 116 Jahre alten Sunderganj-Mennonitenkirche in der Stadt Dhamtari heißt es: „Nach den Regeln der Kirchenleitung ist der Zutritt zum Kirchengebäude zum Gottesdienst auf Christen beschränkt.“ Weiter heißt es: „Nicht-Christen, die freiwillig eintreten, tun dies auf eigene Gefahr.“ Ein ähnlicher Aushang vor einer Gemeinde der „Church of God“ weist darauf hin, dass der Gottesdienst ausschließlich für Christen bestimmt sei; Nicht-Christen seien für ihr Handeln auf dem Gelände persönlich verantwortlich.

Schutz vor rechtlichen Konflikten

Der Generalsekretär des Christlichen Forums des Distrikts Dhamtari, Diamond Philus, sagte am 25. September gegenüber UCA News, die Hinweise sollten die Gemeinden vor Auseinandersetzungen und möglichen rechtlichen Komplikationen im Rahmen des neuen Religionsfreiheitsgesetzes des Bundesstaates schützen. „Wir schließen niemanden aus, aber wenn Menschen kommen wollen, sollten sie auf eigene Gefahr kommen“, so Philus. Nach seinen Angaben wurden in acht Kirchen der Stadt entsprechende Schilder angebracht. Unter Berufung auf lokale Medien berichtet UCA News von rund 40 Kirchen und Gebetszentren des Distrikts, die vergleichbare Tafeln aufgestellt haben sollen. Man habe damit begonnen, kurz nachdem das Anti-Konversionsgesetz im April in Kraft getreten sei, sagte Philus.

Hindu-Gruppen kontrollieren Gottesdienste

Seit Inkrafttreten des Gesetzes suchen Hindu-Gruppen christliche Gottesdienste und andere Zusammenkünfte in Dhamtari auf und stellen Pastoren sowie Teilnehmer wegen angeblich illegaler Konversionen zur Rede. Bei einem Treffen mit christlichen Vertretern am 15. September warfen Hindu-Nationalisten und Repräsentanten lokaler indigener Gemeinschaften den Kirchen vor, arme Hindus und Angehörige indigener Gruppen durch Einladungen zum Christentum zu locken. Philus, der bei der Zusammenkunft anwesend war, berichtete, dass daraufhin rund 1.000 Menschen beim Distriktverwaltungssitz Selbsterklärungen eingereicht hätten, wonach sie freiwillig an christlichen Gebetstreffen teilgenommen hätten.

Verschärftes Gesetz mit härteren Strafen

Das neue „Religionsfreiheitsgesetz von Chhattisgarh“ ersetzt eine Regelung von 1968 aus dem früheren Bundesstaat Madhya Pradesh, aus dem im Jahr 2000 Chhattisgarh hervorging. Vorgesehen sind strengere Vorgaben und härtere Strafen für Konversionen, die von den Behörden als erzwungen oder betrügerisch eingestuft werden. Vor dem Obersten Gericht Indiens sind derzeit mehrere Klagen christlicher Organisationen anhängig. Sie richten sich gegen die Anti-Konversionsgesetze eines Dutzend indischer Bundesstaaten, von denen die meisten von der hindu-nationalistischen Indischen Volkspartei (Bharatiya Janata Party/BJP) regiert werden. Auch Chhattisgarh steht unter Führung der BJP. Kürzlich trat auch im ebenfalls BJP-regierten Bundesstaat Maharashtra ein ähnliches Gesetz in Kraft und sorgte dort für Spannungen. Auf dem Weltverfolgungsindex des christlichen Hilfswerks Open Doors belegt Indien Platz zwölf der Länder, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Von den rund 1,4 Milliarden Einwohnern des Landes sind 73 Prozent Hindus, 14 Prozent Muslime und 5 Prozent Christen.