28.10.2026
Afghanistan: Erster christlicher Fernsehsender gestartet
„Mozhda TV“ sendet auf Dari und Paschtu
Helsinki (IDEA) – Der nach eigenen Angaben erste christliche Fernsehsender für Afghanistan, „Mozhda TV“ (Frohe Botschaft), hat am 24. Oktober seinen Sendebetrieb aufgenommen. Der Satellitensender strahlt sein Programm zunächst in den Sprachen Dari und Paschtu aus; weitere afghanische Sprachen sollen folgen. Darüber berichtet die Internetplattform „Christian Daily International“. Produziert werden die Sendungen von der christlichen Organisation Avainmedia im Studio in Kerava bei Helsinki in Finnland. Christliche Programme für afghanische Zuschauer gibt es den Produzenten zufolge zwar schon seit vielen Jahren, bisher jedoch keinen eigens dafür eingerichteten Sender. Damit füllt Mozhda TV eine Lücke: Bisherige persischsprachige christliche Satellitensender wie Sat-7 Pars senden überwiegend auf Persisch (Farsi); Dari spielt dort nur eine untergeordnete Rolle, Paschtu wird bislang gar nicht ausgestrahlt.
„Schafe ohne Hirten“
Die erste Predigt hielt der Geschäftsführer von Mozhda TV, Masoud Ghorbani (Kerava bei Helsinki). Er predigte über Markus 6,34, wo Jesus eine Menschenmenge sieht und Mitleid mit ihr hat, „weil sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben“. Er verwies auf getrennte Familien, Verfolgung, Diskriminierung von Frauen und junge Menschen, die mit Verzweiflung kämpften. Die tiefste Tragödie für eine Nation sei nicht das Leid an sich, sondern die Tatsache, dass sie ihren wahren Hirten, Jesus Christus, nicht kenne. Nun hätten Millionen von Afghanen die Gelegenheit, das Evangelium zu hören. „Jesus Christus ist der gute Hirte Afghanistans“, sagte er unter Verweis auf Johannes 10,11.
Taliban können Satelliten nicht kontrollieren
Afghanen mit der christlichen Botschaft zu erreichen, gestaltet sich derzeit schwer: Nach der Machtübernahme der Taliban im Jahr 2021 seien fast alle Missionare aus Afghanistan abgezogen worden, erläuterte Ghorbani dazu in einem früheren Interview. Christliche Materialien seien verboten und zerstört worden, auch der Internetzugang werde zeitweise unterbrochen. Doch Satellitenschüsseln und Fernseher seien im Land weit verbreitet. Ghorbani sagte dem finnischen christlichen Medienwerk Sansa (Hyvinge bei Helsinki): „Die Taliban kontrollieren zwar das Land, aber die Satelliten können sie nicht kontrollieren.“ Er rief dazu auf, für die Machthaber in Afghanistan zu beten: „Wir wissen nicht, wer unser Programm gerade zum ersten Mal sieht – vielleicht sogar die Taliban.“ Der Produzent Mikael Tunér, der zuvor fast 20 Jahre beim Sender Sat-7 Pars tätig war, ergänzte, obwohl die Taliban behaupteten, es gebe keine Christen im Land, existierten Untergrundgemeinden; mehrere Tausend Christen lebten dort. Inhaltlich geht Mozhda TV über evangelistische Formate hinaus. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Sendungen für Frauen – darunter Gesundheitssendungen sowie Inhalte, die sie bei der Fortsetzung ihrer Ausbildung unterstützen sollen. „Wir wollen ihnen sagen, dass der Herr sie liebt und dass dies nicht das Ende ist – haltet an der Hoffnung fest“, so Ghorbani.
Antwort auf ein Gebet von 1986
Nach den Worten von Harun Ibrahim, dem Gründer von Al Hayat Ministries, reicht die Vision für den Sender bis in das Jahr 1986 zurück. Damals habe man bei einem Jugendcamp bei Tampere in Finnland auch für Afghanistan gebetet. Für Mozhda TV hätten sich Missionsorganisationen aus unterschiedlichen Konfessionen zusammengeschlossen. Er erwarte, dass der Sender nicht nur Afghanistan, sondern auch die Nachbarländer erreiche. Vor der Machtübernahme der Taliban im August 2021 lebten nach Angaben des Hilfswerks Open Doors (Kelkheim) bis zu 12.000 Christen in Afghanistan. Die Zahl der Christen heute ist unbekannt. Von den rund 44 Millionen Bürgern Afghanistans sind 99,8 Prozent Muslime.