28.10.2026

Weltweit: Lage der Christen in vielen Ländern verschlechtert

„Kirche in Not“: 220 Millionen Christen weltweit unmittelbar betroffen

London/Königstein im Taunus (IDEA) – Die Lage der Christen hat sich in den vergangenen zwei Jahren in zehn von 18 untersuchten Ländern verschlechtert. In keinem der Staaten habe sich die Situation insgesamt verbessert. Das geht aus dem Bericht „Verfolgt und vergessen?“ des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ (ACN/Königstein im Taunus) hervor, der am 27. Oktober in London vorgestellt wurde. Er umfasst den Zeitraum von August 2024 bis Juni 2026 und untersucht Länder, in denen Verletzungen der Religionsfreiheit gegenüber Christen als besonders besorgniserregend gelten. Verschlechtert hat sich die Lage demnach unter anderem in China, Nigeria und Pakistan. Zudem umfasst der Bericht Myanmar, Burkina Faso, Nordkorea, Ägypten, Eritrea, Indien, Iran, Irak, Mali, Mosambik, Nicaragua, Syrien, Sudan, die Türkei und Vietnam. Nach Zahlen von ACN leben 413 Millionen Christen in Ländern mit schweren Verletzungen der Religionsfreiheit. Rund 220 Millionen seien unmittelbar Verfolgung ausgesetzt.

Extremistische Gewalt in Afrika

Als großes Problem nennt der Bericht die Vertreibung. Christen seien Teil eines umfassenderen Exodus von Menschen, die durch teils religiös motivierte Konflikte in Afrika und Asien ihre Heimat verlören. Allein in Nigeria befänden sich Millionen Christen unter den Binnenvertriebenen. Die anhaltende extremistische Gewalt in Teilen Afrikas südlich der Sahara wecke die Sorge, dass die Vertreibung die religiöse Zusammensetzung der betroffenen Regionen dauerhaft verändern könnte. In Cabo Delgado im Norden Mosambiks verwüste ein islamistischer Aufstand seit 2017 ganze Gemeinschaften. Von ACN zitierten Berichten zufolge wurden dort mehr als 2.000 Christen getötet. In Burkina Faso, Mali und Niger kontrollieren islamistische Gruppen laut Bericht große Teile der Sahelzone oder sind dort aktiv. Teils dürften Christen ihren Glauben nur noch innerhalb von Kirchengebäuden ausüben.

Autoritäre Staaten verschärfen Druck

In Ländern mit autoritären Regierungen zeige sich der Druck auf andere Weise: Im Iran habe sich die Zahl der Festnahmen von Christen innerhalb von zwölf Monaten auf 254 registrierte Fälle im Jahr 2025 verdoppelt. In China hätten die Behörden ihre Kontrolle über christliche Gemeinden weiter ausgebaut. In Nicaragua halte die Konfrontation der Regierung mit der katholischen Kirche an. Sie habe zur Festnahme und Ausweisung von Geistlichen, zu Einschränkungen bei Priesterweihen und zur Beschlagnahmung kirchlicher Einrichtungen geführt.

Indien: Mehr als 700 Übergriffe auf Christen

Als dritte Entwicklung nennt die Studie den wachsenden Einfluss des religiösen Nationalismus, vor allem in Teilen Asiens. In Indien wurden 2025 mehr als 700 Fälle antichristlicher Gewalt registriert. Der Bericht führt den Anstieg auf eine zunehmende gesellschaftliche Feindseligkeit und die Ausweitung sogenannter Anti-Konversionsgesetze zurück. Christlichen Organisationen zufolge würden diese immer häufiger zur Unterdrückung von Minderheiten eingesetzt. Das Hilfswerk pocht auf die konsequente Umsetzung von Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, der die Religionsfreiheit schützt. Zugleich warnt der Bericht davor, die Gewalt allein auf Religion zurückzuführen. Ethnische Zugehörigkeit, politische Instabilität, Armut und der Wettstreit um Ressourcen überschnitten sich häufig mit der religiösen Identität.

Fallstudien statt Gesamtbilanz

„Kirche in Not“ beschränkt den Bericht auf Länder, in denen die Religionsfreiheit nach eigener Einschätzung besonders bedroht ist. Damit setzt die Organisation auf Fallstudien mit Trendaussage statt auf eine Gesamtbilanz. Zum Vergleich: Das überkonfessionelle Hilfswerk Open Doors erstellt jährlich einen Weltverfolgungsindex der 50 Länder mit der stärksten Christenverfolgung und untersucht dafür rund 100 Länder. „Kirche in Not“ wurde 1947 als Solidaritätsaktion für Vertriebene gegründet und ist seit 2011 eine Päpstliche Stiftung.