30.08.2026
Ukraine: Zum Militärdienst einberufener Wahrdienstverweigerer aus Gewissensgründen getötet oder nicht angemessen medizinisch behandelt
AKREF-A/30.08.26 - Am 1. Januar, einen Monat nachdem maskierte Mitarbeiter einer Rekrutierungsstelle ihn festgenommen hatten, starb der 40-jährige pfingstkirchliche Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen Yevhen Nabraklo in einem Krankenhaus in Riwne. Als Todesursache wurde „akute eitrige Meningitis“ angegeben.
„Als wir die Leiche in der Leichenhalle sahen, war sie in einem schrecklichen Zustand. Wir wissen nicht, wie er gestorben ist – sie können in die Sterbeurkunde schreiben, was sie wollen“, erklärte ein Angehöriger gegenüber Forum 18.
Am 1. Dezember 2025 nahmen maskierte Mitarbeiter der Rekrutierungsstelle des Bezirks Tschetscheliw in Dnipro den 40-jährigen pfingstkirchlichen Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen Yevhen Nabraklo fest. Sie überstellten ihn zum Sturmregiment Skelja in der Region Dnipropetrowsk, das für die hohe Zahl nicht kampfbedingter Todesfälle berüchtigt ist. Später brachten sie ihn zu einer militärischen Ausbildungseinheit in der Region Riwne. Am 1. Januar 2026 starb er in einem Krankenhaus in Riwne. Laut Sterbeurkunde war die Todesursache „akute eitrige Meningitis“.
Nabraklos Leichnam wies Anzeichen auf, dass er zum Zeitpunkt seines Todes ausgemergelt war. Nach den Fotos der Vorderseite der Leiche, die Forum 18 vorliegen, schien er keine sichtbaren Verletzungen aufzuweisen. „Ich weiß nicht, ob er getötet wurde oder ob man sich nicht angemessen um ihn gekümmert hat“, sagte ein Familienmitglied gegenüber Forum 18. „Ich hoffe, dass die Ermittlungen die Antwort darauf finden werden“
Nabraklos Pastor, Vitalii Bezkrovnyi von der pfingstkirchlichen Gnadengemeinde in Dnipro, ist weiterhin von seinem Tod betroffen. „Er bekam keine medizinische Versorgung. Im 21. Jahrhundert sollte es das nicht geben. Es sollte ein System geben um derartiges zu verhindern“, erklärte er gegenüber Forum 18.
Yevhenii Sereda, ein Ermittlungsbeamter der Stadtpolizei von Riwne, untersucht die Umstände von Nabraklos Tod. „Wir führen eine Voruntersuchung durch, ermitteln die Todesursache und überprüfen alle Faktoren, die zum Tod von Yevhen Nabraklo geführt haben“, erklärte er gegenüber Forum 18.
Pastor Bezkrovnyi beklagt die Zwangsrekrutierung von Nabraklo. „Hier geht es um die Religions- oder Glaubensfreiheit“, sagte er gegenüber Forum 18. „Yevhen war kein Militärangehöriger und wollte aufgrund seiner religiösen Überzeugungen nicht kämpfen. Wir hatten ihm ein Dokument ausgestellt, in dem bestätigt wurde, dass er Mitglied der Kirche war und sich außerdem um seine blinde Mutter kümmerte.“
Auch ein Familienmitglied von Nabraklo betont, dass er aus Gewissensgründen keine Waffen tragen wollte. „Er war seit mehr als zehn Jahren gläubig“, erklärte der Angehörige gegenüber Forum 18. „Er war dagegen, Waffen zu tragen.“
Staatsanwälte haben mehr als tausend Strafverfahren eingeleitet, um Wehrdienstverweigerer zu bestrafen, deren Anträge auf einen zivilen Ersatzdienst abgelehnt worden waren. Mehr als 30 Wehrdienstverweigerer wurden bisher zu Haftstrafen verurteilt, andere zu milderen Strafen. Weitere Strafverfahren stehen bevor.
Die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission der Vereinten Nationen (UN) zur Ukraine berichtete im März über Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen, die gewaltsam zu Militäreinheiten gebracht worden waren. „Man berichtete, dass sie in den Militärlagern Bestrafungen und psychischem Druck ausgesetzt gewesen seien, darunter Scheinhinrichtungen, lang andauernder Arrest in einer Grube im Boden, auch im Winter, Androhung sexueller Gewalt sowie die Verweigerung von Nahrung.“
Nabraklos Tod ereignete sich elf Wochen vor dem Tod des 50-jährigen Baptisten und Wehrdienstverweigerers aus Gewissensgründen Dmytro Koval beim Skelya-Sturmregiment. In seiner Sterbeurkunde wurde als Todesursache „Herz-Lungeninsuffizienz, unbestimmt“ angegeben. Darin hieß es, dass er „in einem Auto“ gestorben wäre. Als sein Leichnam der Familie übergeben wurde, wies er Anzeichen brutaler Behandlung auf (AKREF berichtete).
Quelle: Forum 18, Oslo (Bericht vom 28. August 2026)
Deutsche Fassung: Arbeitskreis Religionsfreiheit der EAÖ