30.09.2026

Nigeria: Alle 86 Minuten wird ein Christ getötet

Studie: Mehr als 4.200 Christen in neun Monaten ermordet

Sioux City (IDEA) – In Nigeria ist zwischen dem 1. Januar und dem 8. September 2026 im Durchschnitt alle 86 Minuten ein Christ getötet worden. Das hat das US-Hilfswerk Equipping The Persecuted (Die Verfolgten ausrüsten/ETP) mit Sitz in Sioux City (Bundesstaat Iowa) ermittelt. Die Zahl der getöteten Christen in diesem Zeitraum betrage 4.216. Das geht aus dem veröffentlichten Bericht „Religiöse Verfolgung und Sicherheitsversagen in Nigeria“ des Hilfswerks hervor. Rechnerisch entspricht dies 16,8 Todesopfern pro Tag. ETP betont, dass es sich bei der Zahl um einen dokumentierten Mindestwert handele, der die tatsächliche Zahl der Opfer wahrscheinlich unterschätze. Nach Schätzungen von ETP wurden infolge der Gewalt mehr als fünf Millionen Christen vertrieben und über 600 christliche Gemeinschaften zerstört oder verlassen. Als Schwerpunkte nennt der Bericht die Bundesstaaten Benue, Plateau und Süd-Kaduna im sogenannten Mittelgürtel Nigerias. Auch in Taraba, Nasarawa, Niger und Kwara stünden christliche Gemeinschaften unter erheblichem Druck.

Fulani-Milizen als Haupttäter

Die meisten Todesopfer gehen laut dem Datenprojekt Nigeria Terror Tracker auf bewaffnete Gruppen zurück, die mit Angehörigen des Volkes der Fulani in Verbindung stehen. Zwischen Januar und September 2025 seien 4.932 Todesopfer auf Akteure mit Verbindungen zu den Fulani zurückzuführen, im gleichen Zeitraum 2026 weitere 786. Die islamistischen Terrorgruppen Boko Haram und Islamischer Staat Westafrika Provinz (ISWAP) seien für 1.958 Todesopfer im Jahr 2025 und 189 im Jahr 2026 verantwortlich. Fulani-nahe Täter ermordeten damit 2025 rund zweieinhalbmal und 2026 mehr als viermal so viele Menschen wie Boko Haram und ISWAP zusammen. Gestützt werde diese Einschätzung durch Daten der Beobachtungsstelle für Religionsfreiheit in Afrika (ORFA). Diese habe für den Zeitraum Oktober 2019 bis September 2025 insgesamt 22.835 getötete christliche Zivilisten dokumentiert. Rund 53 Prozent der Morde seien Fulani-Milizen zuzuordnen, etwa acht Prozent Boko Haram und ISWAP zusammen.

Folter und sexuelle Gewalt gegen Entführte

Entführungsopfer würden in der Gefangenschaft häufig gefoltert und ausgehungert, so ETP. Frauen und Mädchen seien zusätzlich sexueller Gewalt ausgesetzt. Entführer nutzten Videos der Geiseln, um Familien zur Zahlung zu drängen. Viele müssten dafür ihren gesamten Besitz verkaufen und endeten in Lagern für Binnenvertriebene. „Equipping The Persecuted“ ist eine gemeinnützige Organisation, die humanitäre Hilfe für verfolgte christliche Gemeinschaften leistet. Sie betreibt unter anderem die Rechercheplattform TruthNigeria.com sowie den Nigeria Terror Tracker. Von den mehr als 230 Millionen Einwohnern Nigerias sind jeweils rund 46 Prozent Christen oder Muslime.